Wie geht's, Betty Taube? - Folge 10

Shownotes

Betty Taube hat alles andere als eine einfache Kindheit gehabt. Die Mutter alkoholabhängig, der Vater ausgewandert auf eine Südsee-Insel. Mit 9 Jahren kam Betty ins Heim. Aus Berlin in ein Dorf, im tiefsten Brandenburg. Mit 18 wurde sie berühmt durch GNTM. Im gleichen Jahr starb ihre Mutter an den Folgen ihrer Sucht.

In unserem Gespräch wird immer deutlicher, warum Betty heute ihre Kindheit so intensiv nachlebt. Es wird klar, wie stark sie ist. Was ihr Kraft und Freude gibt. Was sie gerettet hat. Und wie sehr sie heute noch ihre Mutter liebt.

Ein leichtes Gespräch mit schweren Themen. Emotional, berührend und doch voller Zuversicht. Und vor allem ein Gespräch, aus dem sich viel lernen und mitnehmen lässt.

Zu dieser Folge gibt es auch eine zweite Sonderfolge mit Prof. Dr. Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention, der auf wissenschaftlicher Basis die wichtigsten Fragen zu den hier angesprochenen Themen in der Folge beantwortet.

Werbung⏐ Dein Gutscheincode: ROBIN Hier geht’s direkt zum Rabatt von HelloFresh:

  • DE: Bis zu 120€* & ein gratis Dessert für 1 Jahr**: https://Hellofresh.de/ROBIN
  • AT: Bis zu 75€*: https://Hellofresh.at/ROBIN
  • CH: https://Hellofresh.ch/ROBIN *Für neue & ehemalige Kunden; ** Für neue Kunden

Bettys Buch „Sag die blauen Flecken kommen vom Spielen“ erscheint Ende September und lässt sich jetzt schon beim Buchhändler um die Ecke oder im Internet vorbestellen.

Robin und Nils, und auch die interviewten Gäste, sind keine Therapeuten. Wenn es euch schlecht geht, vertraut euch eurem Umfeld an. Und bei Verdacht auf eine Depression, Burnout oder andere Erkrankungen sucht umgehend euren Hausärztin auf – oder Psychiaterinnen oder psychologischer Psychotherapeutinnen.

Bei einer akuten Krise erhaltet ihr auch bei der nächsten psychiatrischen Klinik oder vom Notarzt jederzeit Hilfe unter 112. Die Telefonseelsorge erreicht ihr rund um die Uhr kostenfrei unter den Nummern 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222. Informationen und Hilfe rund um das Thema Depression sowie Angststörungen findet ihr unter https://www.deutsche-depressionshilfe.de bzw. https://www.angstselbsthilfe.de/

Konkrete Hilfestellen und Ansprechpartner rund um das Thema Depression für euch nochmal aufgelistet:

  • Erster Ansprechpartner bei Verdacht auf eine Depression oder Suizidgedanken ist der Hausarzt, Psychiater oder psychologischer Psychotherapeut
  • deutschlandweites Info-Telefon Depression 0800 33 44 5 33 (kostenfrei)
  • Wissen, Selbsttest und Adressen rund um das Thema Depression unter https://www.deutsche-depressionshilfe.de
  • Kostenfreie E-Mail-Beratung: bravetogether@deutsche-depressionshilfe.de
  • Hilfe und Beratung bei den sozialpsychiatrischen Diensten der Gesundheitsämter
  • fachlich moderiertes Online-Forum zum Erfahrungsaustausch https://www.diskussionsforum-depression.de
  • Für Angehörige: https://www.bapk.de und https://www.familiencoach-depression.de

„Wie geht’s? mit Robin Gosens“ erscheint alle zwei Wochen. Um keine Folge zu verpassen, abonniert den Podcast. Und für alles News und Hintergründe folgt uns auf Insta, TikTok LinkedIn – und allen anderen Plattformen.

Folge "Wie geht's? mit Robin Gosens" jetzt auf: Instagram: https://www.instagram.com/wiegehts.podcast/# TikTok: https://www.tiktok.com/@wiegehts.podcast LinkedIn: https://www.linkedin.com/company/wie-geht-s-mit-robin-gosens/

Aufnahmedatum: 15.04.2025

Transkript anzeigen

00:00:04:

00:00:20: Heute sind wir in Berliner Umland, bei Betty Taube, Germany's Next Topmodel der ersten Stunde, Covergirl, erfolgreich und glücklich und seit sie neun Jahre alte ist in einem Kinderheim aufgewachsen.

00:00:31: Was das für Bettys Leben bis heute bedeutet?

00:00:34: Darüber sprechen wir in dieser Folge.

00:00:36: Ich habe meine Mama nie in einer anderen Situation gesehen, wo sie so aufgeblüht ist und wo sie so positive Ausstrahlung hatte und einfach so liebevoll war.

00:00:44: Das kann auch immer keiner verstehen, aber irgendwie habe ich mich immer so krass daran geklammert.

00:00:49: und wenn meine Mama mal einen Tag nüchtern war und gesund.

00:00:52: dann dachte ich so, okay, morgen wird meine Mama auch wieder so sein.

00:00:55: Morgen wird sie auch wieder so sein.

00:00:56: Meistens war sie es dann nicht, aber ich habe die Hoffnung nie aufgegeben.

00:00:59: Und was heute allerdings ein großes Problem ist, weil ich habe immer diese Hoffnung in mir.

00:01:04: Du kannst mir hundertmal das Messer in den Rücken rammen.

00:01:06: Ich habe immer diese Hoffnung, dass du morgen besser sein wirst.

00:01:09: Wir haben mit Betty in ihrer Wohnung in Potsdam aufgezeichnet.

00:01:12: Um uns immer ihr Hund jumper.

00:01:14: Uns gegenüber auf dem Bildschirm Robin, dem das Gespräch trotz der riesigen Entfernung richtig nahe ging.

00:01:22: In der Psychologie sagt man, dass vieles von dem, wie man heute ist, mit der Kindheit begründet werden kann.

00:01:28: Unsere Kindheit ist der Grundstein für unser späteres Leben.

00:01:31: Unser heutiger Gast hat das durchlebt, was man wohl als schrecklichen Staat ins Leben bezeichnen würde.

00:01:37: Keine Vaterfigur, trinkende Mutter und dadurch relativ schnell Kinder heilen.

00:01:41: Statt behütetem Aufwachsen, ständige Unsicherheit und keine Person, auf die sie sich verlassen konnte.

00:01:47: Es ist nicht verwunderlich, dass Betty diese Kindheit nicht wirklich verarbeitet hat, sondern einfach nur vergessen wollte.

00:01:53: Das Tolle an diesem Gespräch ist aber, heute sitzt Betty als lebensfrohe und dankbare Frau vor uns, die über all das in der Vergangenheitsform berichtet.

00:02:01: Dieses Gespräch wird unter die Haut gehen und deswegen an dieser Stelle auch die Trägerwarnung.

00:02:05: Es geht um die Themen Suizid, Depression und häusliche Gewalt.

00:02:09: Aber es geht eben auch um das Leben und wie schön es sein kann.

00:02:13: Wir lernen eine Frau kennen, die unglaublich viel Scheiße erlebt hat und es dennoch geschafft hat, den Glauben an ein tolles Leben nicht zu verlieren.

00:02:20: Und die dafür belohnt wurde.

00:02:22: Viel Spaß bei Wie geht's?

00:02:35: Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge.

00:02:38: Wie geht's mit Robin Gosens.

00:02:40: Mein Name ist Nils Stratmann und ich sitze hier in einer wunderschönen Dachgeschosswohnung in Potsdam.

00:02:46: Vor mir ein Gast, den ich bzw.

00:02:48: die ich im Rahmen des NFL Munich Games im Herbst kennenlernen durfte.

00:02:53: Da waren wir zusammen auf einer Party.

00:02:54: Auch da habe ich schon gefragt, wie geht's.

00:02:56: Damals wusste ich noch nicht so viel über sie wie jetzt, wo ich mich vorbereitet habe.

00:03:00: Und damals war das Gespräch ein anderes als es heute.

00:03:03: werden soll.

00:03:03: Ich freue mich aber sehr, sehr, sehr, dass wir hier jetzt heute zusammensitzen und intensiver über diese Frage sprechen dürfen.

00:03:10: Bevor wir aber zu unserem Gast kommen, wie immer an dich, Robin, die Frage, wie geht es dir?

00:03:14: Ja, guten Morgen.

00:03:15: Schönen guten Morgen in die Runde.

00:03:16: Ich freue mich sehr, dass wir hier wieder zusammensitzen, lieber Nis.

00:03:19: Also mir persönlich geht es gut.

00:03:20: In meiner Familie geht es weniger gut, leider Gottes.

00:03:22: Die hat es erwischt.

00:03:23: Der Große hat irgendeine Krankheit mitgebracht aus dem Kindergarten und dementsprechend Ja, geht's ihm nicht so gut, meiner Frau auch nicht, aber ansonsten bin ich ganz gut drauf und von daher kann ich gar nicht klagen.

00:03:35: Liebe Betty, schön, dass du da bist.

00:03:36: Wie geht's dir?

00:03:37: Erzähl uns.

00:03:38: Einen wunderschönen guten Tag.

00:03:40: Mir geht's heute auch sehr gut, die Sonne ist draußen.

00:03:43: Das macht schon mal viel aus, finde ich.

00:03:45: Ich fand es ganz spannend.

00:03:46: Wir sind hier hergefahren und in Berlin war alles schon grün.

00:03:48: In Potsdam lässt sich das Grün noch so ein bisschen Zeit und auch wir mussten uns mit der Aufnahme im Vorfeld ein bisschen Zeit lassen.

00:03:54: Es gab ein paar technische Probleme und da konnten wir schon ganz intensiv mal sprechen, Betty, und zwar über das Buch, an dem du gerade schreibst.

00:04:02: Was ist das eigentlich?

00:04:04: Es ist gerade eine kleine Achterbahnfahrt mit meiner mentalen Gesundheit.

00:04:07: Ich schreibe gerade einen Buch über meine Kindheit.

00:04:09: Also es wird eine Biografie, eine Mischung aus Biografie und Sachbuch und da stecke ich gerade mitten im Prozess und es ist ein sehr anstrengender Prozess.

00:04:19: Eine Mischung aus Biografie und Sachbuch.

00:04:21: Genau.

00:04:22: Was heißt das?

00:04:22: Wie vermischt du das?

00:04:23: Also ich bin ja mit einer alkoholkranken Mutter aufgewachsen und das wird natürlich... Hauptsächlich der Teil wird Biografie sein, also ich werde alles erzählen, was mir so passiert ist, was ich so erleben musste, aber werde auch immer wieder in diese Krankheit zurückspringen und Sachen erklären, was Alkoholismus und Sucht und psychische Erkrankungen angeht.

00:04:44: Du bist mit einer alkoholkranken Mutter aufgewachsen, bis du neun warst, dann bist du ... Hast du nicht mehr bei ihr gelebt?

00:04:52: Dann bist du in einer Wohngruppe

00:04:54: gekommen,

00:04:55: wirklich raus, fast bis nach Polen, ganz nah an die Grenze nach Riedsen.

00:05:01: Wir wollen natürlich gleich ganz intensiv auch über diese Zeit sprechen, über deine Verbindungen zu deiner Mutter, aber vielleicht um ein bisschen leichter reinzukommen und direkt auch ein bisschen Feuer in die Geschichte reinzubringen.

00:05:12: Robin kommt ja quasi aus dem Ritzen von Nordrhein-Westfalen direkt an der holländischen Grenze aufgewachsen.

00:05:17: Insofern, ihr kennt es beide auf dem Dorf groß zu werden und ihr kennt die großen Dinge auf dem Dorf.

00:05:23: Insofern an euch beide fast eigentlich die Frage, was war das Coolste, was ihr je mit Böllern in die Luft gesprengt habt?

00:05:30: Ich habe das letztens schon alles in den Podcast gedroppt und ich werde in der Heimat schon so gehadet dafür, weil ich so viel erzählt habe.

00:05:36: Aber wir haben schon so Bushaltestellen und so was hochgejagt.

00:05:40: Eine ganze Bushaltestelle?

00:05:41: Ja, ja, ja.

00:05:42: Oder so kennt ihr solche Bauwägen?

00:05:45: Ja.

00:05:45: Der musste auch schon mal drunter leiden.

00:05:46: Boah, das

00:05:47: ist ja Wahnsinn.

00:05:47: Ja,

00:05:48: aber ich war natürlich nie dabei.

00:05:49: Ich kenne das nur.

00:05:51: Natürlich, klar.

00:05:52: Du hast das immer nur gesehen aus der Ferne.

00:05:54: Boah, da kann ich auch tatsächlich nicht mithalten.

00:05:57: Ich meine, das eine ist so ein bisschen lustig auf diese Zeit zu gucken und viel Scheiße bauen.

00:06:01: Ihr habt auch so Straßenrennen und so was alles gemacht in der Zeit.

00:06:05: Worüber man natürlich aus der heutigen Perspektive so rausschaut und guckt, ah, das war witzig und das war schön und vielleicht das auch so ein bisschen verklärt.

00:06:13: Aber ich meine, du warst damals in der Situation, bevor wir gleich über deine Mutter sprechen, du warst neun Jahre alt.

00:06:18: Ich habe jetzt einen achtjährigen Sohn, wenn ich mir vorstelle, dass der.

00:06:21: egal unter welchen Umständen in so ein neues Umfeld kommen würde.

00:06:25: Das wäre der Wahnsinn für ihn und das wahrscheinlich im wahrsten Sinne des Wortes.

00:06:29: Wie war das für dich?

00:06:30: Wie schaust du auf diese Anfangszeit und grundsätzlich auf diese Zeit zurück?

00:06:33: Also gerade die Anfangszeit war sehr verrückt, weil man muss daran denken, ich habe in Berlin gewohnt mit meiner Mutter und ich war in einer Klasse, wo wir fast vierzig Kinder waren und ich war auf einer Sportschule, also ich war sehr leichtathletik-affin und langenlauf und alles hochsprungweitsprung war mein Ding.

00:06:49: und dann bin ich halt auf eine Grundschule gekommen, wo ich sieben Mitschüler hatte und in der Schule Hauschuhe tragen musste und unsere Tohnhalle war so groß wie damals unser Foyer.

00:06:59: in der Schule in Berlin.

00:07:01: Und das war schon eine ganz schöne Umstellung.

00:07:02: Und auch irgendwie, dass deine Mutter nicht mehr da ist und dass du jetzt auf einmal ganz viele Geschwister hast und ganz viele neue Leute, die auf dich aufpassen.

00:07:11: Es war alles sehr, sehr verwirrend, muss ich sagen.

00:07:13: Und auch keine einfache Zeit.

00:07:16: Ja, verwirrend ist ein ziemlich leichtes Wort für mich, für das, was ich mir da vorstelle.

00:07:21: Aber ich fand schon eher verwirrend, weil ich hatte irgendwie trotzdem keine Zeit, mich so richtig daran zu gewöhnen.

00:07:26: Weil du warst ja von heute auf morgen in diesem neuen Leben.

00:07:29: Und es war nicht so, sich mal rantasten, erst mal so probisch nuppern, war es ja nicht.

00:07:33: Sondern es war von heute auf morgen so, zack, das ist dein neues Leben.

00:07:36: Viel Spaß.

00:07:37: War dieser Umschwung oder dieses Kommen in das Kinderheim dann quasi das erste Mal auch konfrontiert werden mit, hier läuft irgendwas, was gar nicht so normal ist?

00:07:46: Ich wusste relativ früher schon, dass irgendwas nicht stimmt und dass meine Mama anders ist als andere Mamas.

00:07:52: Ich habe aber immer für meine Mama gelogen und habe mir auch irgendwie immer diese Lügen geglaubt.

00:07:57: Und ab dem Zeitpunkt, wo ich aus diesem Umfeld rausgenommen wurde, habe ich gelernt, das zu akzeptieren, dass das doch nicht normal war.

00:08:06: Ich habe dann zugegeben, okay, meine Mama trinkt Alkohol, das habe ich davor nie gemacht.

00:08:10: Ich habe gemerkt, dass meine Mama irgendwie generell anders ist als andere Mama.

00:08:15: Und ich habe auch mich anderen Leuten anvertraut, was ich vorher auch nicht gemacht habe.

00:08:20: Also da hat er schon nach und nach Klick gemacht.

00:08:22: Aber so richtig Klick gemacht hat das dann erst, als ich selber in die Pubertät gekommen bin und gelernt habe, auch mal nein zu sagen, weil das konnte ich davor gar nicht.

00:08:30: Und dann habe ich mich auch getraut, manchmal an meiner Mama was zu sagen, zum Beispiel, dass sie weniger trinken soll, was immer nach hinten losgegangen ist.

00:08:36: Aber ja, das kam dann mit der Zeit.

00:08:39: Wie können wir uns das denn vorstellen, diese Zeit mit deiner Mutter, weil wenn du sagst, okay, die trinkt Alkohol, das klingt verhältnismäßig.

00:08:48: banal.

00:08:49: Aber wie hat sich das bei euch im Alltag geäußert?

00:08:51: Gab es eine nüchterne Mutter und eine betrunkene Mutter und das waren verschiedene Personen?

00:08:55: oder hatte das nicht so viel miteinander zu tun?

00:08:59: Jetzt blöd gesagt, eine alkoholtrinkende Mutter ist noch keine Kindeswohlgefährdung, um ein Kind aus einer Familie rauszuholen.

00:09:05: Was war da los?

00:09:06: Definitiv wie du das schon gesagt hast, meine Mama hatte zwei Gesichter.

00:09:08: Einmal wenn sie nüchtern war, einmal wenn sie betrunken war.

00:09:10: Das Problem ist allerdings, dass meine Mama zu Das heißt, die nüchterne Mama und die normale Mama habe ich sehr selten gesehen.

00:09:18: So, ich habe mich aber immer an diesen zwei Prozent schon richtig festgeklammert, wenn sie dann mal einen Tag nicht getrunken hat, was wirklich nur einmal im halben Jahr oder so vorkam.

00:09:27: Wenn sie betrunken war, war sie sehr aggressiv, gewalttätig.

00:09:31: Sie hat mich psychisch und physisch misshandelt.

00:09:35: Und ja, eigentlich musste ich schon von klein auf mein ganzen Alltag von alleine bestreiten.

00:09:38: Also ich bin morgens allein aufgestanden, egal ob ich zur... Schule gegangen bin oder ob ich zu meinen Freunden gegangen bin.

00:09:45: Ich habe eigentlich alles alleine gemacht.

00:09:46: Meine Mama war eigentlich nie wirklich da.

00:09:49: Wie waren denn diese zwei Prozent von deiner Mutter?

00:09:52: Genau das Gegenteil.

00:09:54: Super liebevoll, fürsorglich.

00:09:57: Sie hat immer mit mir gebastelt, hat mir tolle Geburtstageweihnachten alles hergerichtet.

00:10:03: Und sie war wirklich, wirklich eine tolle Mama.

00:10:05: Und auch an sich eine super tolle Persönlichkeit.

00:10:07: Ich mein, sie ist ja auch immer noch arbeiten gegangen.

00:10:09: Sie hat als Hebamme gearbeitet.

00:10:11: Und in ihrem Job war sie nüchtern tatsächlich.

00:10:14: Und jeder hat sie als wirklich tolle Frau beschrieben.

00:10:17: Sie hat so viele Geschenke bekommen von den werdenden Mutis.

00:10:20: Da war sie wirklich ein bezaubernder Mensch.

00:10:22: Hattest du die Erfahrung, mal machen dürfen, sie auf der Arbeit dann auch mitzuerleben?

00:10:27: Genau, sie war ja auch alleinerziehend und deshalb musste sie mich ab und zu mal mitnehmen.

00:10:30: Gerade wenn sie Weihnachten oder so arbeiten musste, dann durfte ich mit.

00:10:33: Und für mich war das toll, weil es war ein richtiger Abenteuerspiel.

00:10:36: Plötzlich durfte in der Geburtsbadewanne baden.

00:10:38: Es war super.

00:10:40: Ich durfte in diesem coolen Krankenhausbett schlafen, was man hoch und runter stellen konnte.

00:10:44: Es war wirklich toll.

00:10:45: Ja, und auch meine Mama so zu sehen.

00:10:46: Ich habe meine Mama nie in einer anderen Situation gesehen, wo sie so aufgeblüht ist und wo sie so ... ... positive Ausstrahlung hatte und einfach so liebevoll war.

00:10:56: Es ist schön zu sehen, wie du da ausstrahlst.

00:10:58: Ja, ich fand es immer toll.

00:11:00: Und ich habe ganz viel gelernt.

00:11:01: Ich weiß, wie Nachgeboten aussehen.

00:11:02: Ich halte alles.

00:11:05: Kann man denn sagen, Betty, dass diese zwei Prozent dann ... ... die achtundneinzig Prozent aufgewogen haben?

00:11:10: definitiv.

00:11:11: Ich glaube sonst würde ich nicht meine Mama immer noch so abgrundtief lieben, auch wenn sie leider nicht mehr da ist.

00:11:16: Aber das kann auch immer keiner verstehen, aber irgendwie habe ich mich immer so krass daran geklammert.

00:11:21: und wenn meine Mama mal einen Tag nüchtern war und gesund.

00:11:24: dann dachte ich so, okay, morgen wird meine Mama auch wieder so sein.

00:11:27: Morgen wird sie auch wieder so sein.

00:11:28: Meistens war sie es dann nicht, aber ich habe die Hoffnung nie aufgegeben.

00:11:31: Und was heute allerdings ein großes Problem ist, weil ich habe immer diese Hoffnung in mir.

00:11:35: Du kannst mir hundertmal das Messer in den Rücken rammen.

00:11:38: Ich habe immer diese Hoffnung, dass du morgen besser sein wirst.

00:11:40: Ich kann mir total gut vorstellen, dass genau das eben so Fluch und Segen ist, weil natürlich ... Also es ist halt deine Mama und du kennst es, du hast natürlich vielleicht einen Eindruck aus anderen Familien, wenn du bei Freundinnen zu Besuch bist.

00:11:54: Aber es ist deine Mama und die zieht dich auf und das ist die Person, von der du ja auch alles gelernt hast, wie das Leben funktioniert.

00:12:01: Genau und komischerweise, obwohl sie dich schlägt, obwohl sie dir böse Sachen sagt, du weißt irgendwie trotzdem, dass sie dich liebt hat.

00:12:07: Und irgendwie weißt du auch, dass es nicht deine Mama ist, die da gerade aus dieser betrunkenen Person rausspricht.

00:12:14: Wenn solche Situationen waren, Warst du dann sauer auf deine Mutter oder warst du sauer auf dich, dass du ...

00:12:21: Okay.

00:12:22: Ich hab meine Mama schon in diesen Momenten gehasst.

00:12:24: Wirklich war richtig wütend.

00:12:26: Und hab mir auch immer gewünscht, eine andere Mama komischerweise zu haben.

00:12:30: Aber in den Momenten ganz schlimm.

00:12:32: Aber wie gesagt, da war sie einmal lieb zu mir.

00:12:33: Und dann war ich alles wieder vergessen.

00:12:37: Ich möchte da gern noch einmal kurz reingehen, weil mich das total interessiert.

00:12:39: Wenn ich das jetzt auf meine Rolle als Vater beziehe, als zweifacher Vater, der ... sich so von Anfang an irgendwie auf die Fahne geschrieben hat.

00:12:46: Ich möchte unbedingt Vorbild sein für meine Kinder und ich möchte versuchen, ihnen die richtigen Werte mit auf den Weg zu geben.

00:12:51: So, das war für mich so von Anfang an irgendwie total klar.

00:12:55: Dann fällt mir irgendwie so jetzt in dieser kurzen Geschichte schon auf, dass du natürlich irgendwie trotz alledem, trotz, dass du sie geliebt hast, nicht wirklich diesen Halt, diese Sicherheit hat es und diese Person hat es, die dir die richtigen Werte mit auf den Weg gegeben hat.

00:13:10: Wie hast du es trotzdem geschafft Orientierung zu finden?

00:13:12: Ich muss, glaube ich, schon sagen, dass dieser Umzug in dieses Kinderheim oder in dieser Wohngruppe meine Rettung war, auch wenn das an sich auch keine schöne Zeit war.

00:13:21: Aber ich hatte auf einmal ein stabileres Umfeld einfach.

00:13:23: Und ich muss dazu sagen, dass ich wunderbare Freunde hatte oder immer noch habe, immer noch die gleichen Freunde.

00:13:28: Und hätte ich die nicht gehabt, hätte es auch sein können, dass ich irgendwie auf die schiefe Bahn gerate oder irgendwas.

00:13:34: Aber die haben mir auf jeden Fall diesen ganzen Halt gegeben, den ich brauchte, aber auch meine Oma zum Beispiel.

00:13:38: Meine Oma war trotzdem immer für mich da.

00:13:41: Und hat mir immer alles gegeben.

00:13:42: Zum Beispiel, wenn ich auf Klassenfahrt gefahren bin, war natürlich die Frage, wer bezahlt das, weil Jugendamt hat kein Geld, Wohngruppe hat kein Geld.

00:13:49: Und dann war es immer meine Oma, die zum Beispiel das bezahlt hat, damit ich auch daran teilnehmen kann.

00:13:53: Oder die mich auch an Weihnachten zu sich geholt hat für ein paar Tage, wenn es erlaubt war, ja.

00:13:59: Deine Oma, die Mutter deiner Mutter?

00:14:00: Mhm, genau.

00:14:02: Wie ist das, wenn du mit ihr über deine Mutter sprichst?

00:14:07: Was hat sie für ein Verhältnis zu ihrer Tochter?

00:14:10: Für sie ist es ganz schlimm.

00:14:11: Und mir bricht es das Herz, meine Oma dann weinen zu sehen, wenn wir über meine Mama sprechen.

00:14:15: Das ist wirklich ganz schlimm.

00:14:16: Und ich glaube, das kann ich ja zum Beispiel nicht sagen.

00:14:19: Aber wenn man sein Kind beerdigen muss, ist es, glaube ich, noch mal was ganz, ganz Schlimmes.

00:14:23: Meine Oma kommt allerdings noch aus der Generation, die alles unter den Teppich kehrt.

00:14:27: Also sie spricht öffentlich nicht darüber.

00:14:29: Und sie findet es auch nicht so toll, dass ich öffentlich darüber spreche.

00:14:31: Sorry, Oma.

00:14:33: Ja, aber wir reden super oft über Mama.

00:14:35: Und sie erzählt mir immer schöne Sachen.

00:14:38: Was mir aber auffällt ist, dass meine Oma immer sich fragt, wo kommt das her?

00:14:42: Was hat sie falsch gemacht?

00:14:43: Und wie konnte das alles passieren?

00:14:46: Ja, das macht sich da heute noch krasse Vorwürfe, obwohl sie echt nichts dafür kann.

00:14:51: Ja, ich kann mich mir total vorstellen.

00:14:53: Ich meine, erstmal Alkoholsucht natürlich ist, kann ich total die Frage verstehen, wie, wie ist ein Mensch dahin gekommen?

00:14:59: Was hat dazu geführt?

00:14:59: Aber wenn man erst mal in dieser Sucht ist, dann ist es eine Krankheit und dann gibt es auch ganz, ganz wenig.

00:15:05: was man da dann in so einem Fall machen kann.

00:15:07: Jetzt sind schon ganz, ganz viele Themen auch.

00:15:09: Du hast jetzt schon gesagt, dass deine Mutter nicht mehr lebt.

00:15:12: Darüber müssen wir auf jeden Fall noch mal sprechen, was da passiert ist und was das für dich bedeutet hat.

00:15:17: Ich würde aber gerne ein bisschen chronologisch noch bleiben, weil du davon gesprochen hast, du bist in diese Wohngruppe reingekommen.

00:15:23: Es war keine einfache Zeit, aber du hast ganz enge Freunde.

00:15:27: da gehabt und was mich da interessiert ist erstens waren das freunde die du dort kennengelernt hast auf dem land oder konntest du tatsächlich berliner freunde mitnehmen?

00:15:36: haben da freundschaften gehalten und damit dann ja natürlich auch verbunden?

00:15:40: wie war dieser moment und dann auch der prozess?

00:15:43: okay der entscheidend jetzt fremde dass ich nicht mehr bei meiner mamma leben darf die ich liebe und Die sagen, das ist besser für mich.

00:15:53: Wer sind die, das sagen zu können?

00:15:55: Ja, vor allem ich war am Anfang sauer auf die, dass sie das gesagt haben.

00:15:58: Ja,

00:15:58: natürlich.

00:15:59: Selbstverständlich stelle ich mir vor.

00:16:00: Und hoffentlich kannst du aber im Rückblick sagen, das ist tatsächlich auch besser für dich wahr.

00:16:04: Aber wie war das in diesem Moment?

00:16:06: Man muss dazu sagen, dass ich allgemein nie wirklich feste Freundschaften hatte.

00:16:11: Denn meine Mama und ich, wir sind jedes Jahr umgezogen.

00:16:13: Also ich war wirklich jedes Schuljahr in einer anderen Schule oder in einem anderen Bundesland sogar.

00:16:18: Und ... Mit dem Umzug ins Heim war ich ja das erste Mal für längere Zeit an einem Ort und konnte deshalb das erste Mal richtige Freundschaften aufbauen.

00:16:27: Und deswegen, also die sind alle in der Schule entstanden, die sind alle immer noch in meiner Klasse gewesen und sind heute immer noch meine besten Freunde.

00:16:36: Ich liebe sie.

00:16:39: Und das war eine ganz neue Erfahrung für mich und ich glaube, das war so mein Rettungsring überhaupt, dass ich diese Zeit durchstehen konnte.

00:16:47: weil ich das erste Mal Freunde hatte.

00:16:50: Das glaube ich.

00:16:50: Aber das waren das Menschen aus dieser Wohngruppe, oder?

00:16:53: Bei, das gemischt.

00:16:54: Also ich hatte in der Wohngruppe hast du schon so deine ein, zwei anderen Heimgeschwister, mit denen du enger bist als mit anderen.

00:17:00: Und wir haben uns auch immer Heimgeschwister genannt.

00:17:03: Das war ganz cool.

00:17:04: Aber mit denen habe ich heute leider gar keinen Kontakt mehr, weil die auch alle auf die schiefe Bahn geraten sind.

00:17:08: Also einer sitzt zum Beispiel im Gefängnis, das weiß ich.

00:17:11: Und der andere ist auch krass drogenabhängig geworden und war zwischendurch sogar obdachlos.

00:17:16: Die anderen sind alle aus meiner Schule, meine engen Freunde, also Klassenkameraden.

00:17:22: Du sprichst es an, die sind auf die Schiefebahngeraden.

00:17:26: Du bist nicht auf die Schiefebahngeraden, obwohl du die eine oder andere Bushaltestelle auf dem Gewissen hast.

00:17:31: Ja, gut gesagt.

00:17:34: Es gab dann natürlich einen ganz, ganz großen Schritt, der dich auf eine Bahn gebracht hat, die

00:17:39: ...

00:17:40: die ich jetzt mal ganz wertneutral erst mal als sehr groß beschreiben würde.

00:17:44: Du hast bei Germanies Next Topmodel mitgemacht, was im Grunde der Grundstein war für alles, was sich da nach bei dir beruflich entwickelt hat.

00:17:53: In dieser Zeit aber, als du bei Germanies Next Topmodel warst, erst mal du warst da sehr jung.

00:17:58: Wie alt warst du, neunzehn?

00:17:59: Ich war achtzehn und bin dort neunzehn geworden.

00:18:01: in der Zeit.

00:18:02: Ja.

00:18:02: Also auch das ist ja erstmal total krass.

00:18:05: Der zweite Riesen-Riesen-Lebenswechsel.

00:18:07: Ich beschreibe mein Leben also immer in so drei Abschnitten.

00:18:10: Also einmal dieser Abschnitt, wo ich klein war, meine Kindheit bei meiner Mutter, dann der Heimabschnitt und dann alles was nach TNTM oder während TNTM kam.

00:18:20: So das Leben danach.

00:18:22: Wie hat das dein Leben umgekrempelt?

00:18:24: Weil ich stelle mir vor, erstmal ist alles krass, aber es ist, du wirst wieder... aus deinem Umfeld gerissen, wirst wieder, dadurch, dass du einfach auch viel unterwegs bist und so, von deinen Freunden weg gewesen war, natürlich kriegst du einen riesen Fame, alle kennen dich, das verändert zumindest nach außen auch erstmal deine Wahrnehmung.

00:18:41: Also du warst ja auch plötzlich nur halb gewollten, ganz neuer Mensch in der gleichen Stadt, aber mit ganz anderen Voraussetzungen.

00:18:48: Ja, da war ich wieder ein bisschen naiv, muss ich sagen.

00:18:50: Ich hätte natürlich nicht gedacht, dass es mein Leben so umkrempelt.

00:18:53: Hatte es aber im Endeffekt auf jeden Fall.

00:18:55: Ich bin nach Hause geflogen.

00:18:56: Ich dachte, ey, das sind nur eine Woche unterwegs.

00:18:58: Da war ich ein halbes Jahr unterwegs mit den Rearbeiten.

00:19:00: Ich bin nach Hause gekommen.

00:19:01: Und irgendwie hat mich jeder erkannt auf einmal auf der Straße.

00:19:04: Und es war ganz komisch.

00:19:06: Und ich hab mich bis heute noch nicht so richtig daran gewöhnt.

00:19:09: Aber ich muss sagen, dass es auch eine tolle Zeit war.

00:19:12: Aber auch wieder ne ganz verrückte Zeit, weil wie du schon gesagt hast, meine Mama ist zu diesem Zeitpunkt verstorben während der Dreharbeiten.

00:19:19: Und das heißt, ich hatte auf der einen Seite Trauer, auf der anderen Seite diese ganz große Freude.

00:19:22: Ich darf die Welt sehen, hab tolle Fotoshootings und irgendwie verändert sich grad alles.

00:19:27: Und das beides in Kombination hat in meinem Gehirn erst mal ganz viel gelöscht.

00:19:30: Ich kann mich an die Zeit kaum noch erinnern.

00:19:32: Und ich weiß auch nicht, ob ich das bis heute schon alles richtig sortiert habe.

00:19:37: Ich hab mir sehr viel Therapie gemacht, aber in dieser Zeit sind wir eigentlich noch nie so richtig zurückgesprungen.

00:19:42: Bevor

00:19:42: wir vielleicht in diesen traurigen Teil von diesen beiden Extremen noch mal reingehen, würde mich trotzdem noch mal interessieren, was die Motivation dahinter war, dich überhaupt bei Germany's Next Topmodel anzumelden, weil du beschreibst gerade, dass du da achtzehn Jahre alt warst und ich weiß, dass ich auch mit achtzehn Jahren das große Glück hatte, den Fuß in die Tür Fußball-Profi zu bekommen und ich weiß, dass ich in meinem Leben lang genau von diesem Moment geträumt habe.

00:20:04: War das bei dir auch so ein Prozess oder so ein Traum oder war das einfach aus einer Laune heraus?

00:20:09: Das war anders als bei dir.

00:20:10: Bei mir war es tatsächlich aus einer... dumm Idee heraus.

00:20:13: Wir waren gerade mitten im Abitur und ich weiß nicht, ich kenne dir diese Phase, wo man gerade nichts zu tun hat.

00:20:17: Du hast Abitur geschrieben und wartest auf die Ergebnisse und schreibst schon mal die ersten Bewerbungen.

00:20:22: Das war diese Phase und mein bester Freund meinte zu mir, bewerb dich doch mal da, weil sonst rede ich ein Jahr nicht mit dir, war natürlich nur so dahergesagt, aber ich war so okay, lass uns das mal probieren und wir waren einfach neugierig und haben da diese Bewerbung hingeschickt und das ist dann am Ende funktioniert, hätten wir glaube ich alle nicht gedacht.

00:20:37: Aber ich hatte auch in meiner Bewerbungsphase eh nur eine Bewerbung geschickt, weil ich nichts anderes machen wollte.

00:20:43: Und die

00:20:43: war an Heidi?

00:20:44: Nee,

00:20:45: nee.

00:20:45: Ich wollte Rechtsmedizinerin werden.

00:20:48: Dementsprechend hatte ich eine Bewerbung an die Charité geschickt.

00:20:52: Und war auch schon beim Vorstellungsgespräch.

00:20:54: Ich habe dabei ewig nichts gehört.

00:20:55: Also ich habe keine Antwort, nichts bekommen.

00:20:57: Und dann kam Heidi und ich dachte mir so, ja gut, hab eh nichts zu tun.

00:21:00: Dann fliegen wir da doch mal mit.

00:21:02: Ja.

00:21:03: So war das.

00:21:05: Ja, wir müssen natürlich auch ehrlich sein.

00:21:06: Robin musste den Umweg Fußballer gehen.

00:21:08: Zum Model hat es einfach nicht gelangt bei ihm.

00:21:09: Absolut.

00:21:10: Ja, das ist ... Ja, wir mussten mal ganz ehrlich sein.

00:21:13: Nee, aber das Witzige ist ja, nach den Dreharbeiten, wo schon alles fertig gedreht war, dachte ich trotzdem, ich werde niemals als Model arbeiten können und hab danach eine Ausbildung angefangen.

00:21:22: Aber war es trotzdem dann zu dem Zeitpunkt eine Sache, die du extrem wolltest?

00:21:27: Oder war es auch zu dem Zeitpunkt?

00:21:28: Okay.

00:21:29: Das war wirklich, ich probiere es halt einfach mal aus.

00:21:31: Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht mal, was Victoria's Secret ist.

00:21:34: Ich wusste nicht, was Gucci Louis wird.

00:21:36: Ich hatte wirklich gar keine Ahnung von dieser Welt da draußen und bin da einfach ganz naiv reingesteupert.

00:21:41: Du warst ja nicht die einzige, die dort sehr, sehr jung war und die diese ganze Welt noch nicht, noch nicht so kannte.

00:21:47: Und wir haben es schon häufiger in diesem Podcast und auch so in Gesprächen mit Robin immer wieder drüber gesprochen.

00:21:51: Wie ist die psychologische Begleitung von Fußballern?

00:21:54: Wie ist die psychologische Begleitung vor allem von jungen Fußballern in diesem Nachwuchsleistungszentren?

00:21:59: Und bei so einer Sendung wie Germany's Next Top Model, wo junge Frauen, junge Menschen eben auch so der Öffentlichkeit Zumindest, was das Optische angeht, so maximal ausgesetzt werden und so maximal bewertbar gemacht werden, gab es da in irgendeiner Form eine psychologische Begleitung für euch?

00:22:18: Gab es bei uns noch nicht, aber wurde zwei Jahre nach uns eingeführt.

00:22:23: Also mittlerweile haben die ganzen Boys und Girls psychologische Begleitung, aber das gab es bei uns nicht.

00:22:28: Bei mir gab es allerdings eine kleine Ausnahme, dadurch, dass meine Mama verstorben ist, hat mir die Produktion angeboten, jederzeit psychologische Begleitung zu holen, wann immer ich sie brauche.

00:22:38: Jetzt hast du es wieder angesprochen, woran ist denn deine

00:22:41: Mama gestorben?

00:22:41: Ganz klar an den Folgen ihres Alkoholkonsums, weil man muss sich ja mal vorstellen, sie hat ja schon Alkohol getrunken, als ich noch in ihrem Bauch war und das hat ihr Körper einfach achtzehn, neunzehn Jahre lang durchgehalten, aber irgendwann war es dann vorbei.

00:22:55: Du hast schon gesagt, du erinnerst dich nicht so richtig.

00:22:57: Ich frage dich, ich frage es trotzdem.

00:22:59: Hast du einen Gefühl?

00:23:01: An diese Zeit?

00:23:01: kannst du irgendwie beschreiben, was da passiert ist bei dir, als du diese Nachricht bekommen hast.

00:23:06: Wie hast du diese Nachricht bekommen?

00:23:09: Ich muss gestehen, dass ich das ein halbes Jahr vorher schon irgendwie im Gefühl hatte.

00:23:13: Also, es ist ganz komisch.

00:23:14: Ich weiß, es klingt jetzt für viele Leute auch so, als ob ich das ja auch beschworen hätte.

00:23:18: Aber ich habe schon damals zu meinem besten Freund gesagt, ich glaube, im nächsten halben Jahr wird meine Mama sterben.

00:23:23: Also, bei den letzten Telefonaten, die ich mit ihr hatte, habe ich schon gemerkt, wie schlecht es ihr geht.

00:23:27: Und dass irgendwas nicht stimmt.

00:23:29: Und ich hatte das im Gefühl einfach.

00:23:31: Und dann ist es tatsächlich passiert.

00:23:32: Aber als die Nachricht dann kam, hat es mir trotzdem den Boden unter den Füßen weggerissen.

00:23:37: Mit dem Moment, wo das ausgesprochen wurde, wenn Mama ist gestorben, war es eine komplette Lehre.

00:23:42: Ich glaube, für Wochen einfach leer.

00:23:45: Ganz traurig und ganz leer.

00:23:47: Und irgendwie habe ich heutzutage immer noch manchmal die Momente, wo ich das immer noch nicht realisiere, dass sie nicht mehr da ist, obwohl sie ja jetzt schon über zehn Jahre her ist.

00:23:55: Und ich weiß noch, wir waren ja mitten in den Dreharbeiten und unsere Nanny kam zu mir und meinte, du musst unbedingt ganz schnell deine Sachen packen.

00:24:01: Wir müssen jetzt nach Berlin fliegen.

00:24:03: Und alle Mädels dachten natürlich, ich bekomme super die Überraschung und waren so, oh, du bist bestimmt auf Heidi's Halloween Party oder oder oder.

00:24:09: Und ich wusste in dem Moment, es ist nichts Gutes.

00:24:12: Und als wir dann nach Berlin geflogen sind und mir keiner gesagt hat, was los ist und meine Erzieherin mich dann im Flughafen abgeholt hat und so überspitzt irgendwie gute Laune hatte, war ich die ganze Zeit so, was passiert hier gerade?

00:24:22: Was ist hier los?

00:24:23: Und keiner hat es mir gesagt, aber ich habe es irgendwie schon gedacht und habe auch die ganze Zeit gefragt, ist das mit meiner Mama, ist das mit meiner Mama?

00:24:29: Aber keiner hat die Frage beantwortet erst Stunden später.

00:24:34: Wie war denn euer Kontakt in dieser Zeit, als du in der Wohngruppe warst?

00:24:38: Du sagst, ihr habt häufiger telefoniert.

00:24:40: War das irgendwie geregelt?

00:24:41: Anfangs durften wir gar keinen Kontakt haben.

00:24:43: Ich glaube, so zwei, drei Monate keinen Kontakt.

00:24:45: Und dann wurde das immer nach und nach angenähert.

00:24:47: Also dann durfte ich mit ihr telefonieren, aber es saß immer jemand dabei und hat kontrolliert, was wir sprechen.

00:24:52: Dann durfte ich irgendwann mit ihr alleine telefonieren.

00:24:54: Dann durfte sie das erst immer zu Besuch kommen.

00:24:56: Dann durfte sie mal ein Wochenende bleiben.

00:24:58: Und ganz, ganz später durfte ich dann auch mal zu ihr fahren.

00:25:02: Allerdings ist das nie gut ausgegangen.

00:25:03: Was meinst du damit, dass es nie gut ausgegangen ist?

00:25:05: Na,

00:25:06: ich erinnere mich zum Beispiel, sie hat in Garmisch-Parten-Kirchen gewohnt, eine Zeit lang, und ich durfte in den Sommerferien eine Woche zu ihr.

00:25:12: Und es ist natürlich wieder eskaliert und und und.

00:25:14: Und ich habe meine Erzieher angerufen, habe gesagt, ich will nach Hause, ich will nach Hause.

00:25:17: Und die haben mich mitten in der Nacht in den Zug gesetzt mit der Bundespolizei, weil ich hatte ja keinen Zugticket und gar nichts.

00:25:22: Und die sind dann zusammen mit mir quasi zurück nach Berlin gefahren.

00:25:25: Und meine Mama hat das nicht mal mitbekommen.

00:25:27: Die hat mich dann morgens angerufen, ganz betrunken und gefragt, wo ich bin.

00:25:31: Und ihr ist einfach neun Stunden nicht aufgefallen, dass ich nicht da war.

00:25:35: So ist das halt immer eskaliert.

00:25:36: Oder wenn sie irgendwie zu Besuch war und wir waren über das Wochenende in irgendeiner Ferienwohnung, dann war natürlich die erste Tat irgendwo Alkohol kaufen gehen.

00:25:44: Und umso älter ich wurde, umso genervter war ich davon und umso mehr sind wir in Streit geraten, weil ich das dann angesprochen habe.

00:25:50: Und immer wenn ich es angesprochen habe, hat sie sich komplett von mir distanziert.

00:25:54: hab ich vielleicht mal einen Monat nichts von ihr gehört, drei Monate nichts von ihr gehört, mal ein halbes Jahr nichts von ihr gehört, weil immer wenn jemand was gesagt hat gegen ihre Krankheit oder sucht die Hilfe oder irgendwas, hat sie uns alles schlecht dargestellt, dass wir ja alle die Doven wären und die gestörten und sie völlig normal ist und hat sich dann halt abgeschottet.

00:26:13: Gab's denn von deiner Mutter außen Akzeptanz gegenüber der Tatsache, dass du dann in das Kinderheim oder diese Wohngruppe ... gebracht wurde, weil ich kann mir halt auch vorstellen, dass es für deine Mutter noch mal so ein nexter Step war, den, den sie verkraften musste, dass dann jetzt auch noch ihre Tochter weggenommen wurde zu der Zeit.

00:26:32: Wo es ihr sowieso schon dreckig ging.

00:26:34: Genauso wie du es gesagt hast.

00:26:35: Also man hat genau gemerkt, ab dem Zeitpunkt, wo ich ihr auch noch weggenommen wurde, es ist noch mehr bergab gegangen.

00:26:40: Und das hat ihr so quasi am Ende das Genick gebrochen, glaube ich.

00:26:44: Weil irgendwie war ich glaube ich schon immer noch ihr Halt.

00:26:48: Und ich habe ja auch auf sie aufgepasst und irgendwie hatte sie durch mich wahrscheinlich trotzdem eine kleine Ministruktur.

00:26:54: Und dadurch, dass es weggefallen ist, ist sie, glaube ich, in ein ganz tiefes Loch gefallen.

00:26:58: Und das habe ich gemerkt, weil ich habe dann alles abbekommen.

00:27:01: musste abhauen.

00:27:02: Also sie hat gesagt, ich soll abhauen, sonst hab ich sie nicht liebt.

00:27:04: Natürlich hab ich meine Süßigkeiten um meine zwei Euro zusammengepackt und hab versucht abzuhauen, was mir natürlich nicht gelungen ist.

00:27:10: Und dann hat sie gesagt, siehst du, ich hab dich nicht lieb.

00:27:12: Und das waren dann so ganz viele Psychospierchen.

00:27:15: Hattest du denn zu dem Zeitpunkt schon die Rationalität zu sagen, es ist trotzdem gerade richtig, wie es ist und für meine Entwicklung und für

00:27:22: das?

00:27:22: Nee.

00:27:23: Nee.

00:27:24: Nee.

00:27:24: Ich hätte mir auch gewünscht, dass ich im Heim schon psychologische Betreuung bekommen hab.

00:27:28: hätte.

00:27:29: Habe ich gar nicht.

00:27:30: Also es gab irgendwie einen Monat, wo ich zweimal zu so einer Frau gegangen bin, aber ich wusste nicht, was das bringen soll, weil die hat einfach nur meine Fingernägel schön gemacht, weil ich geknappert hab zu dem Zeitpunkt.

00:27:40: Aber ich wusste nicht, dass das eine Art Therapie ist und es hat mir auch nichts gebracht.

00:27:44: Also ich hätte da schon mehr, mehr Effort gewünscht.

00:27:47: Da muss ich trotzdem noch mal einmal einen kurz nachhaken, das heißt also... Es gibt generell keine psychologische Betreuung für oder ist das jetzt ein spezifischer Fall für das Kinderheim, in das du gekommen bist?

00:27:57: oder weißt du darüber mehr, weil wenn ich das jetzt mal aus psychologischer Sicht betrachte von außen, dann ist es ja Wahnsinn, dass in Anführungszeichen schon Kinder mit einer schweren Jugend Kindheit traumatisierte Kinder teilweise da zusammengesteckt werden, aber es dann keine psychologische Betreuung gibt für diese Kinder, oder?

00:28:15: Es gibt keine einheitliche Regelungen für so was.

00:28:17: Jedes Kinderheim kann das speziell für sich entscheiden, ob sie Wert darauf legen oder nicht Wert darauf legen.

00:28:22: Bei uns war es leider nicht der Fall.

00:28:25: Und da ist es leider ein ganz großes Problem, auch was Jugendämter angeht.

00:28:28: Alle denken, Deutschland sind Jugendämter so einheitlich geregelt, aber es ist nicht der Fall.

00:28:32: Jedes Jugendamt kann für sich ganz individuell entscheiden, wie sie was machen.

00:28:36: Das ist eigentlich voll traurig und ich bin da auch deiner Meinung.

00:28:38: Ich finde, gerade Kinder, die aus so traumatischen Verhältnissen und Familien kommen, Da sollte es Pflicht sein, dass sie psychologisch betreut werden.

00:28:45: Weil bei mir kam das halt dann Jahre später hoch, schwere Depression.

00:28:49: Und da hätte man vielleicht schon das eine oder andere ja präventiv regeln können.

00:28:54: Das ist genau das, was mir jetzt auch genau dazu einfällt, weil in der Konsequenz bedeutet das ja dann, dass automatisch irgendwie auch ein toxisches Umfeld entsteht.

00:29:03: Weil da werden dann diese Kinder, die sich alle untereinander erst mal nicht kennen, zusammengewürfelt.

00:29:07: Natürlich, du nennst sie jetzt Geschwister und das haben sie sicherlich auch Freundschaften herausgebildet.

00:29:12: Und trotzdem sind es ja Freundschaften, die basieren darauf, dass jedes Kind individuell erst mal große Probleme mit sich und mit seiner Vergangenheit hat.

00:29:21: Ja, es gab so viele schlimme Situationen auch im Heim.

00:29:24: Also wir waren nicht immer alle Friede, Freude, Eier, Kuchen miteinander.

00:29:28: Wir hatten zum Beispiel einen Jungen.

00:29:30: Da war seine Mutter schwerstdrogenabhängig in der Schwangerschaft.

00:29:34: Und das hat man bei ihm halt gemerkt, weil er kam mit so ganz vielen Situationen nicht klar und hat immer alle Kinder gebissen oder sich selbst gebissen.

00:29:41: Und wir haben das natürlich alle nicht verstanden, haben uns über ihn lustig gemacht und das hat die Sache noch mehr provoziert und alles sowas.

00:29:46: Also, da sind ganz viele traumatisierte Kinder auf einmal auf einen Haufen zusammen gewürfelt und kommen klar miteinander.

00:29:51: Aber wie sollen wir klar miteinander kommen?

00:29:53: Wir wissen nicht mal, was unser Problem ist.

00:29:54: Wie sollen wir dann wissen, was deren Problem ist?

00:29:57: Da hätte man sogar vielleicht eine Gruppentherapie machen können, damit wir verstehen, warum wir überhaupt alle hier sind.

00:30:04: Was mein Problem ist, damit wir irgendwie ein bisschen besser miteinander klarkommen.

00:30:07: Das war manchmal schon ein richtiges Irrenhaus, muss man sagen.

00:30:11: Na ja, im wahrsten Sinne des Wortes.

00:30:12: Ja,

00:30:13: ist leider so.

00:30:14: Bevor wir erstmal die Geschichte mit deiner Mutter zur Seite legen.

00:30:19: Ich glaube, es klang jetzt durchaus schon durch, dass du es eben nicht geschafft hast, dich in dieser Zeit abzugrenzen, dass du sicherlich auch Schuldgefühle gehabt hast, dass du da bist und nicht bei deiner Mutter bist, dass du dich nicht kümmern kannst.

00:30:31: Und du hast es schon beschrieben, du hast immer diesen Gedanken gehabt, du glaubst an diese zwei Prozent und du willst sie reparieren.

00:30:37: Und das sind ja auch echte zwei Prozent.

00:30:40: Also es ist nur dieser kleine Zeichen, aber das ist ja echt, das ist ja deine Mutter, das ist ja dieser gute Mensch.

00:30:46: Deine Hoffnung war immer, dass dieser Mensch immer mehr hervorkommt.

00:30:51: Und dann ist sie gestorben.

00:30:52: Es klingt ein bisschen komisch, aber ab dem Zeitpunkt, wo sie gestorben ist, ist mir auch ein riesiger Stein vom Herzen gefallen.

00:30:58: Es klingt jetzt böse.

00:30:59: Aber ich habe davor... Ich

00:31:01: finde, ich klingt überhaupt nicht böse.

00:31:03: Ich habe davor jeden Tag in Angst gelebt.

00:31:05: Entweder, als ich noch bei ihr gelebt habe, hatte ich Angst vor ihr, dass sie wieder irgendwelche Ausreste bekommt, dass sie mich schlägt oder sonst was.

00:31:13: Und als ich im Heim gelebt habe, hatte ich natürlich auch Angst, ich hatte Angst, dass ihr was passiert, weil es gab auch Situationen, als ich als Kind den Krankenwagen gerufen habe, um ihr zu helfen oder einfach die Dinge, ich habe die Dinge einfach geregelt und jetzt konnte ich nicht mehr auf sie aufpassen, also hatte ich immer Angst um meine Mama.

00:31:28: Und diese Angst ist einfach mit ihrem Tod weggegangen und auch diese Sorge einfach, weil du machst ja Sorgen um diesen Menschen und irgendwie ist es alles so schwer zu ertragen und diese Schwere ist dann weggegangen.

00:31:40: Und die Hoffnung, die Hoffnung auf die zwei Prozent, die war dann ja auch weg.

00:31:44: Die Hoffnung auf die zwei Prozent war weg.

00:31:46: Aber mit den Jahren lernst du immer mehr und umso älter du wirst, befasst du dich ja mehr mit den Themen, dass es eine Krankheit ist und dass Leute nun mal abhängig sein können.

00:31:56: Und du versuchst dir dann irgendwie so diese Ausreden und diese Erklärungen zurechtzulegen, um das besser zu ertragen.

00:32:03: Ja, aber ich glaube, ihr geht damit auch einfach besser, weil das war wahrscheinlich für sie auch kein schönes Leben.

00:32:09: Ist ganz schwer für mich jetzt von außen das so zu sagen.

00:32:12: Aber was ich natürlich, was was was mir leidtut für deine Mutter ist, dass diese beiden großen Schritte nicht von ihr gegangen wurden.

00:32:20: Sie hat es versucht.

00:32:21: Meinst du jetzt, welchen großen Schritt?

00:32:23: Naja, aus der Sucht herauszukommen,

00:32:25: die ist

00:32:26: im Tod geändert und ihre Tochter in ein besseres Leben.

00:32:30: Ja, sie hat es immer wieder versucht, hat es aber leider nicht geschafft.

00:32:33: Sie hat sich zum Beispiel selbst einweisen lassen in die Entzugsklinik, hat von heute auf morgen versucht einen kalten Entzug zu machen, also was.

00:32:40: Also ihr war schon bewusst, dass sie abhängig war, sonst hätte sie das ja auch nicht gemacht.

00:32:44: Aber sie hat es einfach nicht geschafft.

00:32:46: Einmal in die andere Richtung gefragt, es gab verschiedene Situationen, die auch dann dazu geführt haben, warum du in die Wohngruppe gekommen bist, wo der andere Ausweg im Raum stand, sich das Leben zu nehmen.

00:32:59: Auch bei dir gab es einmal die Situation, es ist aber weder bei dir Noch bei deiner Mutter passiert, warum nicht?

00:33:06: Meinst du, warum wir nicht diesen finalen Schritt gegangen sind?

00:33:09: Ja, bei mir war es wieder diese Hoffnung anscheinend.

00:33:12: Obwohl in dieser Situation muss ich sagen, dass meine Mama mich da schon gerettet hat, sonst hätte ich es wahrscheinlich gemacht.

00:33:19: In den folgenden Minuten spricht Betty über eine Situation in ihrer Kindheit, in der sie darüber nachdachte, sich das Leben zu nehmen.

00:33:26: Wenn ihr Menschen in eurem Umfeld habt, bei denen ihr ähnliche Gedanken vermutet, dann sprecht das Thema bitte an und holt euch Hilfe.

00:33:34: Und das ist das Wichtige, es gibt Hilfe.

00:33:36: Und im Notfall, weltbitte die eins, eins, zwei.

00:33:40: Zudem wird es auch nach dieser Folge eine Sonderfolge mit Professor Dr.

00:33:44: Hegel von der Stiftung der Deutschen Depressionshilfe und Suizidprävention geben, der euch auf wissenschaftlicher Basis die wichtigsten Fragen zu den hier angesprochenen Themen beantwortet.

00:33:56: Dann hat sie mir wieder versprochen, dass alles gut wird und wir kriegen das hin und zu uns.

00:34:00: Sofort war diese Hoffnung wieder da.

00:34:02: Also sofort.

00:34:03: Zack.

00:34:04: Und bei meiner Mama war es auch so, dass sie sich sehr oft das Leben nehmen wollte oder auch mit mir zusammen das Leben nehmen wollte.

00:34:09: Aber warum sie es nie getan hat, vielleicht hatte sie auch immer noch diese Hoffnung in sich.

00:34:14: Auch sie wird an die zwei Prozent geglaubt haben.

00:34:17: Robin, ich sehe dich den Kopf stellen.

00:34:19: Ja, die Situation ist natürlich unglaublich und ich glaube für uns Nils so als Außenstehende kaum greifbar.

00:34:25: Und hast du Erinnerungen genau an diesem Moment, also weißt du, warum es genau in dem Moment dazu gekommen ist, dass du den Schritt gehen wolltest?

00:34:32: Weißt du das noch?

00:34:33: Ja, also gerade diese ganz extreme Situation, so wie diese, an die kann ich mich so krasser ändern.

00:34:39: Ich weiß noch, was ich anhatte, ich weiß, was für ein Wetter war, ich weiß alles.

00:34:43: Wo war Stand in meinem Kinderzimmer?

00:34:44: Das hat sich so abgespeichert und eingebrannt.

00:34:47: Und in dieser Situation war es, weil meine Mama meine Goldfische im Klo runtergespürt hat.

00:34:54: Und sie hat mich immer mit solchen Sachen, weil das war ja nicht das einzige, was passierte, sondern sie hat mich immer mit diesen Sachen so getriggert und es hat sich so angehäuft.

00:35:02: Und ... Gerade diese Situation, das war in Berlin, als wir gewohnt haben, das war so die Endstufe, wo ich noch bei ihr war, war einfach nur schrecklich, wirklich war ganz schlimm.

00:35:11: Sie wollte mir immer zeigen, wie sauer sie jetzt auf mich ist und wollte mir einfach wehtun.

00:35:16: Egal, ob sie mich jetzt geschlagen hat oder ob sie halt meine geliebten Goldfische im Chlorunter gespült hat.

00:35:21: Was ist eigentlich mit deinem Papa?

00:35:23: Ja, das ist eine sehr gute Frage.

00:35:25: An meinem Papa kann ich mich, also während der Kindheit war mein Papa quasi nicht da, außer dass er mir Geschenke zu meinem Geburtstag geschickt hat.

00:35:33: Aber sonst habe ich gar keine Erinnerung an meinen Vater.

00:35:36: Wann ist er aus eurer Familie raus?

00:35:38: Boah, da war ich schon, da war ich noch ganz klein.

00:35:40: Ich glaube, als ich nicht mal ein Jahr alt war, war er schon nicht mehr da.

00:35:44: Wir sind dann nach Baden-Württemberg gezogen, ohne ihn natürlich.

00:35:47: Und ich durfte ab und zu mit ihm telefonieren, aber meine Mama hat mir schon immer gesagt, dass mein Papa ein ganz schlechter Mensch ist und dass ich eigentlich keinen Kontakt mit meinem Papa haben darf und hat manchmal, wenn ihre Laune gerade so war, auch diese Geburtstagspakete einfach wieder zurückgeschickt, ohne dass ich sie öffnen durfte.

00:36:02: Als ich dann aber ein bisschen älter wurde und ab und zu bei meiner Oma in den Sommerferien war, durfte ich dann auch mal mein Papa sehen für einen Tag oder so.

00:36:09: Und das war natürlich toll.

00:36:10: Und ich hab mir direkt vorgestellt, wie ich bei meinem Papa einziehe und bei meinem Papa wohne, weil ich wollte unbedingt bei meinem Papa sein.

00:36:15: Warum auch immer, weil er war ja nie für mich da.

00:36:18: Aber irgendwie war mein Papa trotzdem diese fehlende, männliche Bezugsperson, die ich innerlich wahrscheinlich haben wollte.

00:36:25: Umso älter ich wurde, umso mehr Kontakt ist entstanden und jetzt habe ich natürlich auch regelmäßiger Kontakt mit meinem Vater.

00:36:32: Ich habe aber noch nie mit ihm über all diese Sachen gesprochen.

00:36:35: Weil für mich war klar, okay, haken dahinter, ich habe das überlebt, überstanden, ich will darüber nicht mehr sprechen.

00:36:41: Aber jetzt, umso älter ich werde und gerade in meinem Buchschreibeprozess, frage ich mich dann doch, wie konnte mein Papa das eigentlich zulassen?

00:36:49: Wo war mein Papa eigentlich?

00:36:51: Und er sagt mir immer wieder, er will mir das erklären und er will mir das irgendwann alles erklären.

00:36:55: Das sagt er seit Jahren, aber es kommt nie zu dieser Erklärung.

00:37:00: Ich wollte sie ganz lange nicht, aber jetzt würde ich sie schon gerne mal haben.

00:37:04: Weil es gerade so gut ins Thema passt, du hast es gerade selber gesagt, dass du gedacht hast, dass, wenn das ganze Kapitel einfach mal geschlossen ist, dann ist es halt auch zu und dann muss ich nicht mehr drüber nachdenken und ich kann mich auf das konzentrieren, was dann kommt.

00:37:18: Wann hast du gemerkt, dass das ein Trugschluss war?

00:37:21: Ja, ich dachte wirklich, so buch zu, fertig, hab sie überlebt, was soll noch kommen.

00:37:26: Und dann hab ich mich damals von meinem Ex-Mann getrennt.

00:37:30: Also quasi, er war meine erste eigene Familie und so, wie ich mir das immer gewünscht habe und toll, das war super.

00:37:37: Und dann sind wir auseinandergegangen und irgendwie bin ich dann in so ein ganz tiefes Loch gefallen.

00:37:43: Ich weiß auch nicht warum, aber dann hatte ich schwere Depressionen und ... Da habe ich dann relativ schnell gemerkt, dass es gar nicht an dieser Trennung und an dieser Ehe liegt, sondern dass meine Kindheit gerade hochgekommen ist.

00:37:55: Hast du das selber gemerkt?

00:37:57: Nee, ich habe das gar nicht selber gemerkt.

00:37:58: Ich war ja depressiv und ich habe an gar nichts mehr gedacht außer an alles so scheiß und alles so schlecht.

00:38:03: Und in der Klinik ist mir dann aufgefallen, dass wir gar nicht über meine Ehe, nicht über meinen Mann gar nicht sprechen, sondern nur über meine Kindheit.

00:38:11: Ja, und dann war klar, okay.

00:38:13: Das war jetzt mal an der Zeit, dass das jetzt mal besprochen wird.

00:38:16: Wir haben es in der Theorie, Robin, haben wir ja auch schon häufiger und länger mit der Depressionshilfe gesprochen.

00:38:22: Und da ging es immer wieder darum, es gibt diese Trauer und diese Bitterness des Lebens, wurde es da genannt, die jeder Mensch mal verspürt und die nur in Anführungszeichen schlechte Tage sind.

00:38:35: Aber eine Depression fühlt sich ganz, ganz anders an und da passieren ganz andere Sachen.

00:38:40: Insofern da ... Ganz, ganz genau von dir einmal.

00:38:44: Was war

00:38:44: da?

00:38:45: Was war da?

00:38:46: Es war sehr schleichend.

00:38:47: Ich kann euch nicht sagen, wann das angefangen hat.

00:38:49: Mir ist das auch erst selbst aufgefallen, als es wirklich richtig schlimm war.

00:38:53: So, ich bin nicht mehr aus dem Bett gekommen, ich habe meine Aufgaben nicht mehr hinbekommen, habe keinem geantwortet, nichts.

00:38:59: Ich war komplett isoliert hier in meinem Schlafzimmer.

00:39:01: So, wochenlang.

00:39:03: Und dann hat das angefangen, dass ich komische Bilder an meinem Kopf bekommen habe.

00:39:07: Aber ich habe damals, als meine Mama verstorben ist, sie noch mal sehen wollen.

00:39:11: Und ich hätte sie eigentlich so nicht nochmal gezeigt bekommen dürfen, weil sie war nicht hergerichtet und so.

00:39:16: Und sie sah wirklich sehr schlimm aus.

00:39:18: Und mein Gehirn hat mir immer wieder dieses Bild gezeigt, die ganze Zeit dieses Bild von meiner Mama in diesem Sarg.

00:39:25: Und das war so, als ob mein Gehirn mich selber quält.

00:39:28: Und dann hat das angefangen, dass ich mich so gefragt habe, boah, wenn ich jetzt sterben würde, wer würde zu meiner Beerdigung kommen, wie könnte ich sterben?

00:39:36: Also, es war jetzt nicht so, dass ich ... wahrscheinlich gemacht hätte.

00:39:39: Aber ich hab mich schon so Fragen gestellt und dann wusste ich irgendwie, okay, das ist nicht normal.

00:39:43: Und es geht gerade in eine komische Richtung und es quält mich alles so.

00:39:46: Und auch dieses Bild von meiner Mama in meinem Kopf.

00:39:49: Und dann hab ich ja mein Mut zusammengefasst und einfach bei einer Therapeutin angerufen.

00:39:52: Und mein riesiges... Aus

00:39:53: eigener Kraft.

00:39:54: Aus eigener Kraft.

00:39:55: Und da war wieder diese Kraft wahrscheinlich, diese Urkraft, die in mir ist, die mich meine ganze Kindheit irgendwie hat am Leben lassen.

00:40:02: Die hat mir gesagt, rufe da jetzt an, dann habe ich der angerufen und mein großes Glück war, dass direkt die zweite Nummer, die ich gewählt habe, tatsächlich ein Platz frei war.

00:40:09: Und das ist ja eigentlich unmöglich heutzutage, weil manche Leute warten ja monatelang auf irgendeinen Therapieplatz.

00:40:15: Aber das war eine Therapie.

00:40:15: Muss

00:40:16: man unterstreichen an der Stelle, tatsächlich nochmal, dass das alles andere als normal ist, einen Therapieplatz zu bekommen.

00:40:22: Leider Gottes.

00:40:23: Absolut

00:40:23: gar nicht.

00:40:24: Aber wie gesagt, ich habe in meiner Naivität und in meiner Hilflosigkeit einfach ein paar Nummern gewählt.

00:40:29: Und mein großes Glück war, dass die zweite Nummer noch einen Platz frei hatte.

00:40:31: Und sie meinte, ja, kommen Sie doch heute Nachmittag vorbei.

00:40:33: Und dann bin ich vorbeigekommen und dann hat sie mich auch gar nicht mehr nach Hause gelassen.

00:40:37: Die meinte, okay, wir rufen jetzt jemanden an, der dich abholt und mit dir deine Sachen packt, du musst in die Klinik.

00:40:42: Und dann bin ich in die Klinik gegangen und ich bin da aber nur hingegangen mit dem Kompromiss, dass ich nur eine Woche da bleibe und dann wieder nach Hause gehe.

00:40:50: Und dann meinten schon alle so, hm, schauen wir mal.

00:40:53: Und dann war ich am Ende auch fast drei Monate dort.

00:40:56: War dir zu diesem Zeitpunkt, wo du dann quasi in die Klinik gebracht wurdest, klar, dass du an einer Depression leidest?

00:41:04: Also haben die dir das da sofort gesagt.

00:41:05: oder haben sie erst mal gesagt, nee, komm erstmal mit und dann schauen wir.

00:41:08: Genau, so erst mal und so, kommen wir erst mal mit und wir schauen mal.

00:41:11: Aber das ist eine Depression ist, wusste ich nicht.

00:41:14: Und ich wusste ehrlicherweise auch nicht, was eine Depression ist, weil das lernst du ja nicht in der Schule.

00:41:18: Also du lernst ja nichts über psychische Erkrankungen.

00:41:21: Und dann habe ich da zum Glück auch Depressionsunterricht gehabt.

00:41:24: Da lernt man dann über sein Krankheitsbild einiges und so.

00:41:27: Und das fand ich ganz spannend.

00:41:29: Und umso mehr ich darüber gelernt habe, umso mehr dachte ich so, warum wusste ich das vorher nicht?

00:41:34: Wer kennt dir das?

00:41:34: Man hat mal so ein Gespräch und dann sagt man zu der anderen Person, Du guckst aber gerade schon wieder depressiv.

00:41:39: Aber das darf man nicht sagen, weil wenn man nicht schon mal eine Depression hatte, das fühlt sich wirklich schlimmer an.

00:41:45: Also das ist nicht einfach mal traurig sein und heute keinen guten Tag haben, das ist viel viel schlimmer.

00:41:50: Und das dann auf eine Stufe zu stellen ist schwierig, sollte man nicht machen.

00:41:55: Und ich finde, man sollte mehr darüber lernen.

00:41:58: Ja, ich glaube, das ist ja der große Fehler, den wir auch nach wie vor als Gesellschaft noch machen, dass es irgendwie so mentale Gesundheit generell, aber auch Depression, dass es mehr so ein Modewort ist als eine ernstgenommene Krankheit.

00:42:09: Und ich glaube, du sagst es gerade perfekt, dass wir darüber reden, aber auch dadurch, dass wir mehr darüber lernen und erfahren.

00:42:16: kriegen wir halt eine Ernsthaftigkeit da rein und deswegen wäre es wahrscheinlich gar nicht so schlecht, statt Mathematik oder so mal eine fach mentale Gesundheit einzubringen.

00:42:25: Ich weiß nicht inwiefern das realistisch ist, aber ich glaube schon, dass es in unserer so schnelllebigen Leistungsgesellschaft tatsächlich immer wichtiger wird und immer von größerer Bedeutung wird und von daher sollte man, glaube ich, auch da mit der Zeit gehen.

00:42:38: Vielleicht hätte mir das dann auch nicht so Angst gemacht, wenn ich gewusst hätte, was eine Depression ist, weil... Okay, du kommst jetzt in die Klinik.

00:42:44: Da denkst du erst mal, ich komm jetzt in die Klapps, ich bin Psycho.

00:42:47: So, denkst du schon, ach du Scheiße, so weit ist das jetzt gekommen.

00:42:51: Dann bist du da, du weißt gar nicht, was auf dich zukommt.

00:42:53: Du weißt nicht, was mit dir los ist, gar nichts.

00:42:54: Hätte ich gewusst, dass es eine Krankheit ist, die heilbar ist, vor allem, hätte mir das vielleicht schon meine erste Angst genommen.

00:43:00: Und hätte ich gewusst, dass viele Leute daran erkranken können und dass eigentlich jeder daran erkranken kann und dass jetzt nichts Schlimmes oder nichts Eigenartiges an sich ist, hätte mir das vielleicht auch schon ein Großteil meiner Angst genommen.

00:43:11: Wobei natürlich zum Krankheitsbild auch gehören kann, dass mit so einer dreimonatigen Therapie das Ganze dann nicht unbedingt abgeschlossen sein muss, sondern du hast es selber schon angesprochen.

00:43:21: Ich habe ja auch jahrelang danach noch Therapie weitergemacht.

00:43:23: Also das ist jetzt nicht, du gehst ja mal kurz auf Urlaub, zwei, drei Monate, weil alles andere als Urlaub ist, das will ich nur noch mal sagen, sondern das ist harte Arbeit und das ist auch kein schöner Weg, also es macht keinen Spaß.

00:43:34: Und es ist wirklich, wirklich hart, aber es kann helfen und es hat mir geholfen.

00:43:39: Was

00:43:39: hat dir geholfen?

00:43:41: Erstmal mit einer Person zu sprechen, die gar nichts mit dir zu tun hat.

00:43:44: Kein Freund, kein Elternteil, nicht aus seinem Umfeld, sondern eine ganz neutrale Person, die dir ins Gesicht schaut und sagt, also nicht alles wird gut, aber wir kriegen das hin und erzählen sie es mir.

00:43:56: und nein, ich kann sie verstehen.

00:43:57: und das und das passiert aus dem und dem Grund.

00:44:00: Das macht so viel, wenn man einfach mal mit einer anderen Person darüber sprecht, weil die hat so irgendwie dieses Objektive, weil das braucht man manchmal.

00:44:11: Da geht direkt gerade bei mir so ein Thema auf aus meinem ersten Jahr in Bergamo, da war ich auch ganz alleine, bin zum ersten Mal von der Family so ein bisschen weg und hab in Italien dann Fußball gespielt und hab dann irgendwie auch nicht so in die Mannschaft gefunden, war nicht wichtig, war alleine, hatte keine Familie.

00:44:26: und da habe ich dann auch zum ersten Mal Kontakt gehabt, damals nicht mit einem Psychologen, aber mit einem mental Coach quasi.

00:44:32: und allein dieses Reden und dieses keine Wertung zu bekommen zu dem was man sagt das war das war wirklich so gold wert und ja einfach total hilfreich und auch erlösend irgendwie.

00:44:44: ne

00:44:44: genau als ob man irgendwie so eine nadel reinsticht und die luft so ein bisschen so langsam raus geht dieser druck einfach raus geht.

00:44:52: Ja, tolles Bild.

00:44:54: Man muss ein Pflaster draufkleben, wenn man so eine Nadel reinsticht, dann platzt er.

00:44:58: Das ist dann die Scheißsituation, wenn die passiert, das sollte man versuchen zu vermeiden, aber es wird ein Teser draufgeklebt.

00:45:04: Und dadurch kann die Luft dann

00:45:05: so langsam entweichen.

00:45:07: Gezielt entweichen.

00:45:09: Das ist tatsächlich ein schönes Bild.

00:45:11: Aber jetzt mal eine Frage an dich, Robin.

00:45:13: Ist das bei euch schon Standard auch, dass es psychologische Betreuung gibt?

00:45:17: Leider immer noch nicht wirklich Standard.

00:45:19: Also Standard ist es nicht.

00:45:21: Es wird vermehrt eingesetzt und ich glaube, dass so langsam, vor allem in Deutschland, hier in Italien, ist es nochmal ein ganz anderes Thema.

00:45:28: Aber in Deutschland ist es schon vermehrt so, dass man zumindest die Möglichkeit hat, zu einem Psychologen zu gehen, ohne dass man dann irgendwie als Schwächling bezeichnet wird.

00:45:37: Also ich glaube, da ist schon eine positive Entwicklung drin.

00:45:40: Aber es ist auch noch nicht so, wie es sein müsste.

00:45:43: Das muss man an der Stelle auch ganz klar sagen.

00:45:45: Also wir könnten deutlich mehr Hilfestellung bekommen und wir könnten vor allem viel... mehr dafür sorgen, dass halt gewisse Erkrankungen, so wie deine beispielsweise auch, gar nicht entstehen, dadurch dass man auch präventiv arbeitet durch Workshops, durch Lernen über gewisse Krankheiten und mentale Schwächen.

00:46:04: Und das passiert halt nicht und das bemängel ich schon seit langem und das ist sicherlich auch ein Grund dafür, warum Nils und ich diesen Podcast hier ins Leben gerufen haben, um ein Stück weit Sensibilität und Aufmerksamkeit im Thema gegenüber zu schaffen.

00:46:19: Ja, da haben wir, glaube ich, noch sehr viel zu tun als Gesellschaft.

00:46:22: Ja, weil das vergessen ja die meisten Leute.

00:46:25: Also die stellen sich immer vor, Profifußballer.

00:46:28: Boah, was für ein Traumjob und so, aber die vergessen ja, dass ihr jeden Tag diesem Druck ausgesetzt seid, Leistung zu bringen.

00:46:34: Und meistens seid ihr weit weg von euren Familien, also von euren Eltern oder oder oder.

00:46:39: Und das hat natürlich auch seine Nachteile.

00:46:42: Klar, total.

00:46:45: Wir haben jetzt sehr oft über das Thema Familie auch in diesem Kontext geredet und der Psychologie geht es auch sehr oft um Schutzfaktoren und um Risikofaktoren und man muss ja in deiner Story ganz klar sagen, dass der Schutzfaktor Familie, der ja sehr viel auch verunhalb bewahren kann, einfach nicht gegeben war.

00:47:01: Jetzt hast du in der Klinik sicherlich viel gelernt.

00:47:03: Inwiefern war das Wegfallen des Schutzfaktors Familie vielleicht auch Auslöser für das alles?

00:47:09: Wir

00:47:10: haben ja in der Klinik auch Gruppentherapie gehabt und die war ganz bunt gemischt.

00:47:13: Also wir waren abhängige in der Gruppe, depressive, also wirklich alle psychischen Erkrankungen, die man sich vorstellen kann, wurden in eine Gruppe gewürfelt.

00:47:20: Und alle, also die meisten Erkrankungen sind aufgrund des familiären Unfells entstanden, also vor allem in der Kindheit.

00:47:27: Also jeder, der da saß, hat in seiner Kindheit irgendwas Blödes erlebt.

00:47:31: oder konnte irgendwas nicht aus seiner Kindheit verarbeiten und hatte diesen Schutzfaktor Familie einfach nicht.

00:47:36: Und auch mein Therapeut meinte, er hatte in dreißig Jahren seine Arbeitszeit erst wirklich einen Patienten, bei dem das familiäre Umfeld top war.

00:47:44: Sonst gab es wirklich immer irgendwelche Dinge in der Familie.

00:47:47: Konntest du dir bis heute eine Alternative zu diesem Schutzfaktor Familie aufbauen?

00:47:52: Das würde ich bei mir in Schutzfaktor Freunde umbenennen, weil ich betite meine Freunde immer als meine Ersatzfamilie.

00:47:59: Ja.

00:48:00: Ich hab zwar auch noch meinen Teil der Familie, gerade meine Oma und meine Tante, die sind mir super wichtig und geben mir auch super viel Halt, aber das ist tatsächlich auch erst so mit neunzehn, zwanzig Jahren erst gekommen.

00:48:12: Weil davor durfte ich wenig Kontakt haben zu meiner Oma oder zu meiner Tante.

00:48:16: Und als meine Mama verstorben ist, ist dieser Kontakt noch fester.

00:48:20: Ich wird da gerne auch nochmal einmal kurz rein, weil es gerade auch wieder zum Thema passt.

00:48:24: Und ich will damit gar keine Wunden oder so aufreißen, aber ich weiß halt jetzt gerade Rückblicken betrachtet.

00:48:30: aus meiner eigenen Kindheit, dass es mir total gut getan hat, dieses Dorfleben, dieses behütet, groß werden ohne irgendwie eine Großstadt oder ohne Großtamtam, das hat mir halt... Generell natürlich gut getan, aber das hat mir auch total gut getan, jetzt im Hinblick auf meine Bekanntheit und auf diese Karriere, die ich machen durfte oder noch machen darf, weil meine Eltern halt nichts mit dieser ganzen Geschichte zu tun haben.

00:48:50: Die denken sich halt immer, der Jungen muss nach Hause kommen und der ist ein ganz normaler Typ und Hauptsache, da redet keiner schlecht über den Jungen auf dem Dorf, Hauptsache keine Gerüchte und das tut mir halt total gut.

00:49:02: den Kreis zu schließen, das fehlt dir ja im Prinzip.

00:49:04: Du bist jetzt auch eine bekannte Persönlichkeit, dich erkennen viele Leute, dir folgen über eine Million Menschen auf Instagram.

00:49:11: Wie schaffst du es denn trotzdem, dann bei dir selbst zu bleiben und welchen Zugang hast du überhaupt dazu zu dieser Bekanntheit?

00:49:20: Ich habe das vorhin kurz schon gesagt, ich habe mich jetzt nach elf Jahren immer noch nicht so richtig daran gewöhnt, dass ich auf der Straße angesprochen werde oder Leute mich kennen.

00:49:27: Mir ist das immer noch auf irgendeiner Art und Weise unangenehm.

00:49:30: So, natürlich hat es seine Vorteile, aber auch viele Nachteile.

00:49:34: Was mich aber erdet und was mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt, sind meine Freunde, wie du das schon sagst.

00:49:40: Also ich versuche jedes freie Wochenende, was ich habe, in die Heimat zu meinem besten Freund zu fahren, also aufs Dorf.

00:49:46: Und da kennt mich jeder, da werde ich nicht irgendwie so hochgehoben, sondern da bin ich ganz normal so wie ich bin und ich kann mit dem Blödsinn quatschen und einfach ich sein.

00:49:56: Und das finde ich toll und das brauche ich auch.

00:49:59: Da kannte ich einfach vorher schon jeder, weil es einfach nur zwölf Menschen gab.

00:50:03: Ist so.

00:50:04: Natürlich sind die auch darin interessiert.

00:50:05: Oh, wie war das da und so.

00:50:07: Aber das ist anders irgendwie.

00:50:09: Weil es ist anders, ob dich jetzt eine Lisa auf der Straße anspricht und fast in Tränen ausbricht, weil sie dich sieht.

00:50:14: So, das kann ich nicht greifen.

00:50:15: So, ich verstehe das nicht.

00:50:16: Ich bin doch nur ich.

00:50:17: Warum weinst du jetzt?

00:50:19: Mir sagt gar keinen Sinn.

00:50:20: Und meine Freunde, die wissen nicht, ich bin einfach nur Betty und da fühle ich mich einfach am wohlsten.

00:50:25: Gibt es nicht manchmal diese Momente, weil ich kann mir halt vorstellen, mit deiner Geschichte, dass du dir dann auch manchmal sagst so, Scheiß jetzt auf alles, ich hab so viel durchgemacht, ich möchte es jetzt einfach genießen und mir ist das total egal, was andere sagen.

00:50:37: Das mach ich.

00:50:39: Ich sag immer, dass ich meine Kindheit jetzt nachhole.

00:50:42: Also ich lebe ein modernes Pippi Langstrumpfleben, sage ich immer.

00:50:45: Ich mach wirklich jeden Tag das, worauf ich gerade Lust habe.

00:50:48: Ist es immer schlau?

00:50:49: Nein.

00:50:51: Sorge ich vor, für meine Zukunft vielleicht auch nicht wirklich gut, so, ne?

00:50:55: Aber ich hab Spaß, ich steig ins Flugzeug, ich fliege los, ich steig in diesen Rennwagen, ich fahre in Autoren.

00:51:01: Also mir fällt ja auch jeden Tank was Neues ein und deswegen ich hole einfach alles nach.

00:51:05: Das ist eine schöne Erklärung dafür.

00:51:06: Früher wurde dann gesagt, du darfst dieses elektrische Flugzeug nicht haben, das ist viel zu teuer und dann machst du das noch kaputt.

00:51:13: So und jetzt bist du erwachsen und niemand ist da, der dir sagt, dass du das nicht darfst und dann fliegst du das Ding einfach und sitzt selber drin.

00:51:19: Ja, so nämlich.

00:51:22: Und viele sagen dann auch immer, boah, du bist so kindisch und sei doch mal ein bisschen erwachsen.

00:51:26: Nee, habe ich keine Lust drauf.

00:51:27: Weil ich so meine ganze Kindheit muss sich erwachsen sein.

00:51:30: Lass mich doch jetzt einfach so sein, wie ich bin.

00:51:32: Total verständlich.

00:51:34: Ja, stimmt.

00:51:34: Das erwachsenen Alter, das war da, das war nur einfach ein Ticken zu früh da.

00:51:38: Genau, das war zu früh da.

00:51:39: Die ganze Verantwortung.

00:51:41: Ist das etwas, was du jetzt quasi dann auch gelernt hast, dass es okay ist, auch mal zu genießen, dass es okay ist, auch einfach mal Freude zu haben und dass es sogar einfach auch mal schön ist, an nichts anderes zu denken?

00:51:53: Also inwiefern war das vielleicht auch ein Learning aus der Zeit?

00:51:56: Es hat auf jeden Fall jahrelang gedauert, dass ich mir selbst zugestehen konnte, dass... Ich auch mal Nein sagen kann.

00:52:03: und meine eigenen Bedürfnisse an erster Stelle.

00:52:07: Weil ich habe immer nur geguckt, was alle anderen gerade brauchen.

00:52:11: Was braucht der?

00:52:12: Was verlangt der von mir?

00:52:13: Und was ich will, das machen wir ganz am Ende.

00:52:15: Und jetzt kann ich auch mal sagen, ich will das und das.

00:52:18: Und das mache ich jetzt auch.

00:52:19: Mir egal, was du gerade sagst oder denkst, hat jahrelang gedauert.

00:52:23: Aber es geht jetzt besser.

00:52:24: Und meine Freunde verstehen mich auch komischerweise besser.

00:52:27: Weil ich kann jetzt besser kommunizieren, besser sagen, was ich brauche, was ich gerade fühle.

00:52:32: Und es hat mein ganzes Leben auf jeden Fall leichter gemacht.

00:52:35: Und gibt es darüber hinaus noch, weil es ist ja noch mal so, dass leider Gottes nicht nur dir so geht, sondern dass es viele Menschen da draußen gibt, die Ähnliches durchgemacht haben oder auch an ähnlichen Erkrankungen leiden, gibt es also darüber hinaus noch eine andere Message, die du hast an diese Menschen, wie man vielleicht auch mit ähnlichen Situationen und Dingen umgehen kann?

00:52:58: Gab es irgendwas, was du aus der Klinik mitgenommen hast?

00:53:00: Hast du so einen Werkzeugkoffer an die Hand bekommen, quasi aus dem du Sachen nehmen kannst, Learnings nehmen kannst, die du teilen kannst?

00:53:09: Da habe ich mein Werkzeugkoffer bekommen und weiß jetzt genau, wann ich was machen muss, damit es nicht wieder in diese Richtung geht, meine Skills sozusagen.

00:53:18: Und jedem, dem es ähnlich geht oder ähnliches erlebt hat wie ich oder Schlimmeres erlebt hat oder ganz andere Sachen erlebt haben und irgendwie noch nicht weiß, damit umzugehen.

00:53:28: Es gibt ganz tolle Nummern da draußen, wo man anonym sogar anrufen kann und einfach mal kurz sprechen kann und sich jemandem anvertrauen kann, ohne irgendwie Angst haben zu müssen.

00:53:38: Und wenn man einmal diesen kleinen Funken Mut übersprungen hat, das kostet schon ein bisschen Mut, das zu tun, aber wenn man das gemacht hat, dann kommt das Ganze meistens von selbst ins Rollen und kann was ganz Tolles und Positives bewirken.

00:53:53: Und genau diese Nummern, die findet ihr bei uns in den Show Notes.

00:53:57: Ja, es braucht ein bisschen Mut, aber ich glaube, wenn etwas in dieser Folge durchgekommen ist, dann das genau dieser Mut sich lohnt.

00:54:05: Wir kommen jetzt langsam zum Ende und wir haben schon wahnsinnig viel von dir gehört und du hast wahnsinnig viel erzählt.

00:54:10: Jetzt versuchen wir das alles ein bisschen komprimierter zu machen.

00:54:16: Zumindest die Fragen.

00:54:16: Mal gucken, wie komprimiert deine Antworten dann sein werden.

00:54:20: Einfach schnell hintereinander weg.

00:54:22: Was brauchst du, damit du dich wohlfühlst?

00:54:24: Ich brauche zum Wohlfühlen meinen Dackel und meine Freunde.

00:54:29: Das kann ich gut nachvollziehen.

00:54:30: Die Freunde kenne ich nicht, aber der Dackel ist fantastisch.

00:54:32: Der funktioniert bei mir auf jeden Fall auch sehr gut.

00:54:34: Andersrum gefragt.

00:54:37: Was bedarf es, damit du dich unwohl fühlst?

00:54:40: Ich fühle mich sehr unwohl in oberflächlichen Situationen und das ist in meinem Job Leidergang und Gebe.

00:54:47: Deshalb bin ich froh, dass ich danach dann wieder nach Hause fahren kann und das wirklich nur als mein Job abhake.

00:54:53: Wovor hast du Angst?

00:54:55: Ich habe ein bisschen Angst davor, wenn ich später mal Selbstmama werde.

00:54:59: Warum?

00:55:00: Ja, ich hoffe, dass ich dann nicht so viel von meiner Mama noch in mir trage und das dann dann meine Kinder weitergebe.

00:55:08: Da dann einmal nachgefragt, wie alt war deine Mama, als sie dich bekommen hat?

00:55:12: Boah, das heißt gar nicht.

00:55:13: Ich glaube, meine Mama war sechsundzwanzig, als sie mich bekommen hat.

00:55:16: Vierundzwanzig oder sechsundzwanzig?

00:55:18: Eines von denen.

00:55:19: Du hast gesagt, dass du viel Kontakt mit deiner Oma auch noch habt und dass sie auch viel miteinander sprecht.

00:55:23: Was erzählt sie so von deiner Mutter aus dieser Zeit, wo sie in deinem, so grob in deinem Alter war?

00:55:29: Also das stelle ich mir ja auch total spannend vor.

00:55:31: Wie war Mama?

00:55:32: Ja.

00:55:33: Als sie ich war, als sie so alt war, wie ich

00:55:35: war.

00:55:35: Ich liebe diese Erzählungen.

00:55:36: Also meine Mama war super fleißig und war die Schlauste in der Schule und war so ein richtiges Vorzeigekind eigentlich.

00:55:42: Sie hat noch zwei, also sie hat einen Bruder und eine Schwester und die waren eigentlich eher so die frechen Kinder und meine Mama war immer das liebe Kind.

00:55:50: Super hübsch, super zuvorkommend.

00:55:52: Meine Mama hat auch gemodelt und eigentlich war sie so ein richtiges Kind, worauf meine Oma immer sehr, sehr stolz

00:56:00: war.

00:56:00: Wie sieht für dich eine schöne Kindheit aus?

00:56:02: Eine schöne Kindheit sieht für mich folgendermaßen aus.

00:56:06: Ein sicheres Umfeld.

00:56:08: Auf jeden Fall.

00:56:09: Liebevolle Personen, tolle Freunde und ja, viel spielen.

00:56:18: Aber wenn du das so beschreibst, dann musst du dir glaube ich keine Sorgen machen, wenn du mal Mama wirst.

00:56:21: Okay.

00:56:22: Ich glaube, dass du genau das vermitteln kannst.

00:56:25: Zumindest vermittelst du es jetzt gerade hier in diesem Gespräch.

00:56:28: Ja.

00:56:29: Du hast.

00:56:31: sehr viel mit Menschen gesprochen in deinem Leben über dich, über das, was wichtig ist.

00:56:36: Was war der wichtigste Ratschlag, den du bekommen hast?

00:56:40: Der wichtigste Ratschlag, den ich bekommen habe.

00:56:43: Also es ist nicht mit der wichtigsten, aber schon einer, die ich mir immer wieder in meinem Kopf halte, nicht reden, sondern machen.

00:56:49: Weil das hat mich in meinem Leben ganz viel nach vorne gebracht, weil man kennt das.

00:56:53: Alle sagen, boah, das wollte ich auch schon immer mal machen oder das würde ich auch gerne machen, aber irgendwie mache ich es doch nicht.

00:56:59: Einfach mal machen, nicht immer nur sagen, weil das hat mich echt weit nach vorne gebracht.

00:57:03: Und das kann man auch auf kleine Dinge im Alltag eigentlich projizieren.

00:57:08: Zum Beispiel die eine Freundin, mit der du dich schon seit drei Monaten treffen wolltest, aber irgendwie das immer vor dir her schiebst.

00:57:14: Einfach machen.

00:57:14: Ruf sie heute an.

00:57:15: Sag, komm, wir treffen uns morgen.

00:57:17: Wenn hast du Zeit, wann immer.

00:57:18: Und dann mach's einfach.

00:57:20: Daran angeschlossen die noch schwerere Frage, weil du jetzt nicht wiederholen darfst, was du gerade gesagt hast.

00:57:26: Was ist der wichtigste Rat, den du geben kannst?

00:57:31: Der wichtigste Rat, den ich geben kann, ist eigentlich, ich war auch schon oft in schwierigen Situationen in meinem Leben, wie wir jetzt gelernt haben und nicht vergessen, dass es auch wieder besser werden kann.

00:57:43: Weil gerade wenn du depressiv bist, denkst du ja wirklich, es wird für immer so bleiben und niemals wird sich was ändern.

00:57:49: Aber du musst dir... klar sein, dass es schon so kommen wird.

00:57:53: Also es wird auch wieder andere Zeiten geben.

00:57:55: Und das Leben ist einfach nach der Bahn.

00:57:56: Es geht halt mal runter, mal hoch und mal links, mal links, mal rechts, dann wieder rechts und links.

00:58:01: Es ist ganz wild durcheinander, aber so ist das Leben.

00:58:04: Es gibt kein einfach immer geradeaus, sondern das ist nun mal so, dass es links, rechts hoch und runter geht.

00:58:10: Dann haken wir mal direkt da ein, worauf freust du dich in der Zukunft?

00:58:14: Kann die ganz nahe Zukunft sein heute, morgen, in einem Jahr, in zehn Jahren?

00:58:19: Ja, das ist halt das Ding, ne?

00:58:20: Ich bin ja so eine Person, die eigentlich gar nicht so krass an die Zukunft denkt, sondern so im Hier und Jetzt lebt.

00:58:25: Aber in der Zukunft hätte ich schon gerne irgendwann meine eigene Familie, so eine Happy Family.

00:58:30: Und ich will einfach nur, dass alle auf jeden Fall gesund bleiben, weil das ist das Einzige auf der Welt, was man nicht mit Geld kaufen kann.

00:58:36: Und ja, ansonsten schauen wir mal, was da noch so kommt.

00:58:39: Vielleicht werde ich auch noch Astronautin, weiß ich nicht.

00:58:43: Da musst

00:58:43: du sehr weit hochfliegen

00:58:44: mit deinem Flugzeug.

00:58:46: Schauen wir mal.

00:58:47: Dann kommen wir vielleicht jetzt zur Abschlussfrage, die das Ganze zusammenfasst.

00:58:51: Ich habe es ein paar Mal hier schon im Podcast erwähnt.

00:58:53: Ich habe zwei Kinder.

00:58:55: Eines ist adoptiert und es gab eine Situation, also wenn man ein Kind in seine Familie holt, was schon eine eigene Geschichte mitbringt und auch keine leichte Geschichte mit sich bringt, dann bringt das natürlich auch Unsicherheiten und Unsicherheiten, ob das Kind sich wohlfühlt, ob es ihm gut gibt.

00:59:11: Und es gab diese eine Situation, die mir dann total ... Schönes Gefühl der Sicherheit gegeben hat.

00:59:17: Das war, als ich meine Tochter zu Bett gebracht habe.

00:59:20: Und wir drüber gesprochen haben, wer wen lieb hat und wie schön eigentlich das Leben ist.

00:59:24: Und sie hat dann aufgezählt, wen sie alles lieb hat.

00:59:26: Ich hab Mama lieb, ich hab Papa lieb, ich hab meinen Bruder lieb.

00:59:30: Und ich hab mich lieb.

00:59:32: Und das war so schön, das von ihr zu hören.

00:59:38: Und jetzt haben wir uns hier deine Geschichte.

00:59:41: angehört, die ganz viel damit verbunden war, dass deine Mutter dich ausgenutzt hat, dass da eben kein wirkliches Korrektiv oder keine wirkliche Sicherheit war, du bist gut, wie du bist, du kannst dich lieb haben.

00:59:54: Gleichzeitig arbeitest du als Model und das ist ähnlich wie bei dir Robin und wahrscheinlich noch krasser, dass du diesen Bewertbaren so ausgesetzt bist, dass jeder eine Meinung zu dem hat, wie du gerade aussiehst, wie du umläufst und so weiter.

01:00:08: Woher weißt du selber, dass du gut bist und hast du dich lieb.

01:00:14: Erst mal zu dir, also anscheinend habt ihr alles richtig gemacht in der Erziehung, also wenn das schon ein kleines Mädchen so was sagen kann, toll.

01:00:21: Ich wünschte, ich hätte das damals auch sagen können, aber bei mir hat das ganz, ganz, ganz viele Jahre gedauert, ganz viel Therapie gedauert oder gebraucht, bis ich auch sagen konnte, dass ich mich lieb habe.

01:00:32: hat auch jahrelang gedauert.

01:00:33: Würde ich auch sagen, dass da wirklich ein Großteil die Klinik dazu beigetragen hat.

01:00:37: Weil davor war ich superunsicher, hab mir vieles zu Herzen genommen und hatte mich nicht lieb.

01:00:42: Aber jetzt hab ich mich lieb.

01:00:45: Aber das hat ein paar Jahre an Therapie gebraucht.

01:00:47: Was liebst du an dir?

01:00:48: Was magst du an dir?

01:00:49: Dass ich, glaub ich, trotzdem immer Kind geblieben bin.

01:00:52: Das mag ich an mir.

01:00:53: Dass ich immer weitergemacht habe, nie aufgegeben habe.

01:00:56: Und ... dass ich eine super coole Autofahrerin bin.

01:01:00: Nein.

01:01:02: Was sag ich noch?

01:01:05: Ich glaube, meine Lebensfrohe atme ich sehr.

01:01:07: Und dass ich das Talent habe, das weiterzugeben.

01:01:11: Weil ich merke jetzt gerade in meinem Prozess, wo ich in vielen Podcasts war und jetzt auch in eurem Sein durfte.

01:01:16: Oder jetzt mein Buch schreibe, dass ich echt vielen kleinen Seelen da draußen helfen kann.

01:01:22: Und das macht mich richtig stolz.

01:01:23: Und das war auch meine Intention, warum ich überhaupt darüber sprechen möchte.

01:01:27: Ja,

01:01:28: ist glaube ich doch ein wunderbares Schlusswort eigentlich, wenn ich ganz ehrlich bin.

01:01:32: Vor allem die Tatsache, dass du noch so lebensfroh bist und diese Fröhlichkeit dem Leben gegenüber auch so gut weiter tragen kannst.

01:01:42: Ich glaube, da kannst du unfassbar stolz drauf sein, weil wer so eine Geschichte durchgemacht hat, der... Ja, da gibt es, glaube ich, auch ganz andere Beispiele.

01:01:49: Deswegen kann man wirklich nur den Hut ziehen und wir danken dir unglaublich sehr für die Story, für die Zeit, die du hier genommen hast und fürs Teilen dieser unglaublich wichtigen Message, glaube ich, am Ende.

01:02:01: Vielen, vielen lieben Dank, Betty.

01:02:03: Vielen Dank euch auch, dass ihr überhaupt dieses wichtige Thema in diese Weite Welt hinaustragt.

01:02:09: Betty, danke dir.

01:02:10: Lieber

01:02:10: Nils, ich danke dir.

01:02:11: Robin,

01:02:11: machts gut, viel Spaß beim Training.

01:02:13: Schön, dass du zurück auf den Platz bist.

01:02:16: Ja und das war die neue Folge mit Betty Taube.

01:02:18: Betty's Buch, sagt die blauen Flecken kommen vom Spiel, erscheint übrigens im September.

01:02:23: Und wir machen hier in zwei Wochen weiter mit Montez, der mit siebzehn Jahren als das Wunderkind im Rap galt.

01:02:29: Und dann, nach einer langen Zeit zwischen Pizza-Kartons auf dem Dachboden seiner Großeltern, über ein Jahrzehnt später endlich seinen Durchbruch hatte.

01:02:38: Ein mitunter sehr lustiges Gespräch, mit gar nicht so lustigen Hintergrund.

01:02:42: Ich persönlich freue mich noch mal drauf.

01:02:44: Damit ihr es nicht verpasst, abonniert gerne den Podcast und lasst eine Bewertung da.

01:02:48: Und gegen die lange Wartezeit hört man in die alten Folgen rein.

01:02:51: Zum Beispiel mit Paula Hartmann oder mit Tommy Schmidt.

01:02:54: Aber vor allem genießt den Sommer.

01:02:56: Achtet

01:02:56: auf euch!

01:03:12: Nils Stratmann und Robin Gosens.

01:03:15: Wie geht's erscheint alle zwei Wochen.

01:03:18: Überall,

01:03:18: wo es Podcasts gibt.

01:03:20: Bis zum nächsten Mal.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.