Wie geht's, Laura Freigang? - Folge 16
Shownotes
Laura Freigang hat einen turbulenten Sommer hinter sich: Europameisterschaft, Halbfinale, das bittere Aus gegen Spanien. Im verdienten Urlaub, der Erholung bringen sollte, wird dann ihr Privatleben zur Schlagzeile.
Im Gespräch mit Robin und Nils erklärt Laura, warum sie die Entwicklungen im Frauenfußball – mehr Geld, mehr Reichweite, mehr Aufmerksamkeit – kritisch betrachtet. Sie verrät, warum sie lieber vor 4.000 Fans spielt als in den großen Arenen, und warum sie kein Fan vom Kapitalismus ist. Weiter geht es um die politischen Entwicklungen in den USA und einen geheimen TikTok-Kanal, der auf einmal gar nicht mehr so geheim war. Und letztendlich geht es immer um eine Frau, die kein Vorbild sein wollte – aber ungewollt zu einem geworden ist.
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Robin und Nils, und auch die interviewten Gäste, sind keine Therapeuten. Wenn es euch schlecht geht, vertraut euch eurem Umfeld an. Und bei Verdacht auf eine Depression, Burnout oder andere Erkrankungen sucht umgehend eure/n Hausärzt/in auf – oder Psychiater/innen oder psychologischer Psychotherapeut/innen.
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Aufnahmedatum: 04.09.2025
Transkript anzeigen
00:00:01: Ich will das gar nicht aufhalten.
00:00:02: Ich sage nur, man sollte sich damit auseinandersetzen.
00:00:05: Was macht uns aus?
00:00:06: Was macht uns anders?
00:00:08: Was macht uns auf eine Art wichtig innerhalb des Fußballs?
00:00:10: Und wie können wir das bewahren und nicht einfach alles laufen lassen, wie es einfach läuft?
00:00:15: Weil dann kommen natürlich gewisse Dynamiken rein, die vielleicht gar nicht unbedingt gewünscht sind immer.
00:00:23: Ich möchte mit Frankfurt ein Titel holen, aber ich richte nicht meine gesamte Karriere nach Titeln aus.
00:00:29: Je mehr ... sich bei uns auch tut und je mehr Aufmerksamkeit kommt, die wir uns auch wünschen.
00:00:34: Das Schwierige ist, das zu erhalten, weil es sich alles verändert.
00:00:38: Und es ist halt einfach die kapitalistische Gesellschaft und es ist halt einfach, da ist der Hype, da geht das Geld hin, da verändern sich die Dinge und das ist so schwer, das aufzuhalten.
00:00:47: Also ich bin mal gespannt, wie sich das auch entwickelt.
00:00:50: Ich glaube, wenn du dir das beibehalten willst und diese gewisse Nähe und das, was den Frauenfußball noch ausmacht, dann musst du halt irgendwie die Regularien... irgendwie setzen, dass das in Zukunft irgendwie kontrolliert wird.
00:01:03: Ich habe aber aktuell nicht wirklich das Gefühl, dass das passiert.
00:01:08: Es gibt diese Personen, die einen mit ihrer Art und Weise zu sprechen und anderen Menschen zu begegnen, irgendwie in den Band ziehen.
00:01:16: Egal, wo Laura auftritt, ob Social Media, Interviews oder auch jetzt bei uns im Podcast, ich habe immer das Gefühl, dass es einfach Sinn ergibt, ihr zuzuhören.
00:01:24: In unserem Gespräch ging es um ihre von außen wahrgenommene Lockerheit, die sie selbst aber gar nicht so fühlt.
00:01:30: Ihr Outing, das für viele Menschen total das Ding, für sie aber eigentlich gar nicht so besonders war.
00:01:35: Übrigens, die Geschichte dazu ist wirklich sehr amüsant.
00:01:38: Es geht um Verantwortung, die damit als Person der Öffentlichkeit einhergeht, aber auch um die Unterschiede im Männer- und Frauenfußball und warum das nach wie vor ein subpolarisierendes Thema ist.
00:01:48: Laura ist ein unglaublich ehrlicher und reflektierter Mensch, der viel zu sagen hat und auf beeindruckende Weise ihre Meinung vertritt.
00:01:55: Freut euch auf ein Gespräch, das total ansteckend ist und wieder einmal viel zum Nachdenken
00:02:01: mitgibt.
00:02:12: Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge.
00:02:15: Wie geht's?
00:02:15: Wir sitzen hier gerade in Frankfurt in einem hübschen, kleinen Basement-Studio.
00:02:20: Irgendwo im Nichts von Frankfurt.
00:02:22: Irgendwo über uns ist ein Schrottplatz.
00:02:24: Vor uns auf dem Bildschirm ist Robin.
00:02:26: Ja, und neben mir sitzt eine gleich doppelte Kollegin von dir, Robin.
00:02:30: Sie hat, wie du, Psychologie studiert.
00:02:31: Sie ist, wie du, Fußballerin.
00:02:33: Bevor wir aber zu Laura kommen, wie immer, an dich die Frage, Robin.
00:02:37: Wie geht's?
00:02:38: Ja, schönen guten Tag in die Runde.
00:02:40: Ich freue mich, dass wir hier so zusammenkommen.
00:02:42: Mir geht es aber nicht ganz so gut tatsächlich.
00:02:43: Tut mir leid, dass ich direkt Stimmungskiller sein muss.
00:02:45: Das ging mir schon mal besser, zumindest auf privater Ebene.
00:02:49: Wir haben auch schon mal in dieser Kombination darüber gesprochen, dass leider ein wichtiger Mensch von uns gegangen ist, nämlich der OP.
00:02:56: Ich bin aber gar nicht traurig im Sinne von, ey, ich bin nur am Wein und bin so down und so.
00:03:01: Es ist mehr so diese Tatsache, dass... Immer mal wieder die Erkenntnis singt, dass halt dieser Mensch nicht mehr da ist, mit dem man so viele Erinnerungen hat quasi.
00:03:11: Und das macht es immer mal wieder so situativ, ganz traurig.
00:03:14: Aber eigentlich bin ich noch nicht so an dem Punkt, wo ich jetzt sage, ja, okay, ich habe verstanden, dass dieser Mensch nicht mehr da ist.
00:03:20: Ich habe verstanden, dass wenn ich nach Hause komme, ich ihn nicht mehr schreiben kann, er will zum Essen vorbeikommen.
00:03:26: So, ich glaube, dann an diesen Bananitäten wird dann deutlich, dass er dann wirklich nicht mehr da ist.
00:03:30: Deswegen geht es mir so, okay.
00:03:32: Zwar sportlich, war nicht ganz so schlecht das Start, aber privat war es schon mal besser, ehrlich gesagt.
00:03:36: Ich tue mir leid, dass ich so rein starte in die Folge, aber wir reden ja über genau das hier.
00:03:41: Das frag ich dich mal, Laura.
00:03:43: Geht es dir denn gut?
00:03:45: Zu gesund und munter wieder.
00:03:46: Mann, was ist eine Überleitung?
00:03:48: Erst mal an der Stelle tut mir das leid zu hören.
00:03:50: Danke.
00:03:50: Aber danke fürs Teilen.
00:03:52: Mir geht es so weit gut, es ist viel los.
00:03:54: Die Woche und wir haben ja noch nicht gestartet, über uns geht es.
00:03:57: Jetzt stand heute sozusagen morgen los.
00:03:59: Du kennst es, glaub ich, so, wenn man dann wochenlang irgendwie über alles spricht und sich vorbereitet.
00:04:04: Und dann will man auch einfach, dass es losgeht.
00:04:06: Deswegen bin ich ready, was das angeht.
00:04:09: Wie gehst du dann immer in so eine Saison?
00:04:10: Bist du dann wie ich, der sich dann so denkt, boah, ich glaub dieses Jahr, ich rede mir dann immer ein, wir sind dieses Jahr so gut wie nie zuvor und denk mir, wir werden dieses Jahr auf keinen Fall ein Spiel verlieren.
00:04:19: oder bist du dann immer so ein bisschen unsicher und weiß nicht, was dich erwartet?
00:04:23: Für mich war es gar nicht immer so einfach, weil wir ... mit der Frau Nationalbetracht, die jedes Jahr die letzten vier Jahre im Turnier hatten.
00:04:30: Ich habe das Gefühl, ich spiele eine große Saison seit vier Jahren.
00:04:34: Und dann ist es gar nicht so leicht, gerade wenn man von diesen Turnieren zurückkommt und man hat jetzt nicht so viel Spielzeit gesammelt und dann will man sich irgendwie erst recht beweisen und denkt, jetzt komme ich zurück und jetzt zeige ich allen.
00:04:43: Man muss halt voll gucken, dass das nicht umkippt, so in die Richtung.
00:04:47: Jetzt macht man sich Druck, weil man denkt, jetzt muss man auch zeigen, was man drauf hat.
00:04:50: Und so, das ist halt auch der schmale Grad.
00:04:52: Und deswegen jetzt so mit dem Alter, darf man ja sagen, wenn man irgendwie über twenty-fünf ist im Fußball.
00:04:57: Also dann darf man sagen, okay, ab
00:04:59: twenty-fünf.
00:05:00: Muss ich sagen, ich weiß einfach von mir selbst, dass ich jetzt sozusagen eher mit positiven Gefühlen und Bock funktioniere.
00:05:07: Dieses Jahr ist irgendwie so, bei uns hat sich viel verändert.
00:05:10: Wir haben viele neue Spielerinnen, viele neue Gesichter und es ist ein bisschen so, als ob ich in einen neuen Verein gekommen bin.
00:05:15: Zuhause irgendwie.
00:05:16: Und ich freue mich einfach auf alles, was kommt, auf die Aufgaben und bin einfach so relativ unbelastet und bin auch mal total okay damit, dass dieses Jahr keinen Nationalenschaftsdruck besteht, in der Hinsicht, als dass man sich irgendwie für ein Kader präsentieren muss, jetzt um dann zu einem Turnier zu fahren im Sommer.
00:05:31: Und ich übernehme immer mal Verantwortung und ich fühle mich auch, als ich bin jetzt dieses Jahr offiziell dann auch Kapitänin.
00:05:36: Danke.
00:05:37: Glückwunsch, ja.
00:05:37: Danke.
00:05:39: War die letzten Jahre auch schon Vizekapitänin und irgendwie ich habe einfach Lust drauf, in diese Rolle auch mehr reinzuwachsen und so mich diese Aufgabe zu stellen und da irgendwie so ein bisschen das Steuer auch in die Hand zu nehmen, aber halt... auf eine Art, die einfach Spaß macht irgendwie.
00:05:52: Das fühlt sich einfach richtig an.
00:05:53: Ich habe das Gefühl, das ist der richtige Zeitpunkt und das ist irgendwie eine coole Aufgabe und ich muss sagen, menschlich sind die Spielerinnen, die dazugekommen sind, auch alle top und irgendwie herrschen eine gute Stimmung.
00:06:01: Manchmal muss man ja auch ein bisschen, braucht man ein bisschen Veränderung.
00:06:04: Ich fühle das, was du gerade gesagt hast, dass man sich unbedingt beweisen muss, vor allem wenn da noch ein Turnier ansteht mit der Nationalmannschaft.
00:06:12: Da habe ich auch tatsächlich, vor allem habe ich das in dem Jahr, als ich in Berlin war, total krass mitbekommen.
00:06:17: Da stand ja dann die Heim-EM an und ich bin ja sogar deswegen, also ein Mitgrund war eben die Teilnahme an der EM, warum ich von Inter damals zur Union gewechselt bin.
00:06:27: Und ich weiß noch, wie ich mir da gefühlt bei jeder Nominierung so eine unglaubliche Platte gemacht habe.
00:06:32: Ich muss dabei sein, weil das ist mein Turnier und ich will bei der Heimat unbedingt dabei sein.
00:06:36: Und das war irgendwie so im Rückblick betrachtet, kann ich das jetzt ja sagen und besser einschätzen.
00:06:41: Das war so ein negativer Stress, den ich mir da gemacht habe.
00:06:44: Und es war so belastend, dass mich das, glaube ich, teilweise auch echt viele gute Spiele gekostet hat.
00:06:49: Das ist halt so ein schmaler Grad zwischen so dieser... übertriebenen Motivationen, die man hat, die man irgendwie so impositiven beibehalten will und halt der Druck, der damit automatisch kommt.
00:07:00: Also ich hatte das letztes Jahr auch ganz krass.
00:07:02: Ich habe mit einer der besten hinrunden gespielt, meiner Karriere, so getroffen, getroffen, getroffen und nicht viel überlegt, sondern einfach gedacht, ich habe einfach, ich kann Lust mehr mit Druck zu machen, ich werde einfach das Spielen genießen.
00:07:12: Und dann kommt es zu mir immer näher und dann weißt du, du hast Medientermin und dann wirst du zehnmal gefragt so, du kannst dieses Narrativ auch nicht aufhalten so.
00:07:19: Jetzt hast du all die Jahre auf der Bank gesessen.
00:07:21: Kommt jetzt dein Moment.
00:07:23: Und dann, ich würde das gerne so einfach von mir wegschieben.
00:07:26: Und das mich einfach gar nicht irgendwie davon durcheinander bringen lassen.
00:07:29: Aber es ist eine Kunst.
00:07:31: Also wirklich Respekt an jede Person, die das kann.
00:07:33: Aber es ist nicht so einfach.
00:07:35: Wobei ich da sagen muss, Laura, da hast du mich ganz schön beeindruckt.
00:07:39: Wir haben uns ja ... Am letzten Spieltag gesehen, da war ihr mit Frankfurt in Leipzig zu Gast.
00:07:43: Und du hast eine Wahnsinns- Lässigkeit gehabt.
00:07:46: Vor allen Dingen in einer Szene, auf die wir später auf jeden Fall nochmal zu sprechen kommen wollen, weil die mich extrem beeindruckt hat.
00:07:53: Ich wollte aber vor allen Dingen jetzt auch nochmal wirklich auf diese Europameisterschaft zu sprechen kommen, weil in diesem Fall, obwohl es die Europameisterschaft der Frauen war und du eigentlich nicht hättest spielen können, Robin, wir uns ja trotzdem wieder eine tierische Platte vor diesem Turnier gemacht haben.
00:08:07: Und zwar, weil wir... ziemlich genau einen Monat vor der Europameisterschaft das Gespräch mit Lina Magull gehabt haben, die ja ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt hat und dann bei uns im Podcast zum ersten Mal über ihre Depressionen im Olympiasommer gesprochen hat und wir... haben uns extrem viele Gedanken gemacht und auch wirklich viele Gespräche geführt, ob und wie wir das Gespräch vor der Europameisterschaft veröffentlichen können.
00:08:30: Weil einerseits wollten wir für Lina, dass es möglichst schnell rauskommt, damit die Zeit zwischen sie spricht über ihre Probleme und es wird veröffentlicht, wirklich kurz ist.
00:08:39: Und andererseits wollten wir halt auf gar keinen Fall, dass wir irgendwie in eurem Vorbereitungsprozess einen anderen Schauplatz aufmachen, wie wir es ja bei der Nationalmannschaft der Männer auch schon bei dem einen oder anderen Turnier erlebt haben.
00:08:51: Haben wir uns zu viele Gedanken gemacht?
00:08:53: Wie ist es denn bei euch angekommen?
00:08:54: Ich muss sagen, ich habe auch eher an Lina gedacht und habe mich für sie gefreut, dass sie das auch so ein bisschen... Also sie hatte ja sozusagen das Thema für sich bewältigt.
00:09:03: was ich schon extrem beeindruckend finde.
00:09:05: Wie sie das alles gehandelt hat, das habe ich auch ein bisschen mitbekommen.
00:09:08: Das war schon extrem beeindruckend.
00:09:10: Und ich habe mich irgendwie gefreut, dass sie ihre Geschichte auch noch mal erzählen konnte, bevor es dann auch in diesen Turniersommer geht.
00:09:15: Und ich glaube, wir haben uns dann alle für sie gefreut.
00:09:17: Wir sind ja alle auch gut mit ihr befreundet.
00:09:19: Und ich finde es wichtig, dass man solche Dinge auch weiß, dass es sie gibt, dass man das an einordnen kann.
00:09:24: Und ja, ich meine, wir sprechen ja immer mehr darüber, Sportler sind Menschen.
00:09:27: Und das war irgendwie so das beste Beispiel dafür, wie stark man auch sein muss, teilweise.
00:09:32: Und wie viel man leidet, ohne dass es die Menschen mitbekommen.
00:09:35: Und wie viele kleine Dinge auch mit einem machen können und sich das somiert.
00:09:39: Und die Öffentlichkeit vergisst ja manchmal so ein bisschen, was da alles hintersteckt und wie viel da teilweise zusammenkommt.
00:09:46: Und ich fand es einfach, ich fand es ein tollen Podcast, by the way, an der Stelle auch an euch.
00:09:50: Und wie gesagt, habe ich auch einfach für Sie gefreut, weil ich auch glaube, dass ihr das gut getan habt.
00:09:54: War das bei euch in irgendeiner Form noch mal ein Thema?
00:09:57: Ich kannte ja die Geschichte so ein bisschen.
00:09:59: Beziehungsweise hatte er auch mit Lina immer wieder Kontakt und wusste Bescheid.
00:10:03: Ich glaube, wir waren eine von ein paar Leuten, die auch mit einbezogen wurden, sozusagen in diesem ganzen Prozess.
00:10:08: Du hast sie auch ja noch besucht in meinen.
00:10:10: Ich hatte
00:10:10: sie noch besucht im Winter, aber auch davor schon.
00:10:12: Ich wusste auch Bescheid, als sie da in der Klinik war.
00:10:16: Also ich hatte das alles mitbekommen und dann kamen halt ein, zwei Leute und haben gefragt.
00:10:19: Und ich glaube, in dem Podcast wurde aber auch ja ziemlich deutlich so, dass sie ... dass alles schon hinter sich lassen konnte und jetzt an einem anderen Punkt ist und dass es ihr gut geht.
00:10:27: Deswegen, glaube ich, waren alle erleichtert.
00:10:28: Ein paar waren vielleicht überrascht, weil sie es auch einfach nicht gedacht hätten.
00:10:31: Das ist ja oft so.
00:10:32: Du lernst Menschen kennen und Lina ist ja auch eine extrem fröhliche Person, die jeden Raum auffällt.
00:10:37: Ich glaube, jeder, der Lina kennt, weiß das über sie, dass sie einfach eine Person ist, die man gerne im Raum hat, gerne im Team hat.
00:10:43: Und das sind ja selten Menschen, von denen man erwartet, dass sie solche schweren Schicksale irgendwie mit sich tragen und sich so viel Druck machen.
00:10:51: Und ich glaube, das ist irgendwie ... Ein paar waren vielleicht überrascht, aber an sich, glaube ich, haben das alle gut aufgenommen.
00:10:57: Und es regt eigentlich interessante Unterhaltungen an.
00:10:59: Ich glaube, dass genau der letzte Punkt auch, der Punkt ist, der mit am wichtigsten ist, dass es eben Unterhaltungen anregt, dass die Leute sich darüber austauschen, dass man sich darüber austauscht und dass man dadurch ein bisschen dahin kommt, dass alles so ein Stück weit normaler wird, um aber wieder zurück vielleicht zu kommen zu dir, liebe Laura.
00:11:17: Wir waren gerade bei dem Turnier.
00:11:18: Wir haben das alle verfolgt, ihr seid ja wieder weit gekommen.
00:11:21: Wie war das Turnier für dich?
00:11:22: Wie hast du das auch verarbeitet?
00:11:23: War ja dann doch auf mentaler Ebene auch wieder einiges los, dann mit dem Ausscheiden.
00:11:27: Ja, viel los ist glaube ich das richtige Stichwort.
00:11:29: Ich hatte danach auch so ein bisschen darüber nachgedacht und das Motto von dem Turnier war irgendwie The Summit of Emotions passend zu Schweiz.
00:11:37: Der Gipfel der Emotionen, genau das war es am Ende des Tages auch.
00:11:39: Es waren also nicht nur so mantschaftlich, war es ja... Aufs und Abs, also wirklich innerhalb der Spiele ja teilweise, also das Frankreich Spiel zum Beispiel, so die rote Karte und dann dieser unfassbare Sieg, das Schwedenspiel.
00:11:52: Also das ging ja wirklich hin und her und auch persönlich.
00:11:55: für mich war es auch wieder auf eine andere Art, nicht so einfach, weil ich ja auch wieder irgendwie eine neue Rolle hatte und auch immer wieder meine Chancen bekommen habe im Verlauf des Turniers und dann auch meine Chance gegen Schweden bekommen habe und dann dieses Spiel ja einfach nur so kolossal in die Hose ging.
00:12:10: Das heißt aber einfach wirklich wieder viel los.
00:12:12: Ich hätte dieser Truppe einfach gewünscht, noch weiter zu kommen, aber ich glaube am Ende des Tages können wir uns nicht beschweren gegen Spanien rausgeflogen zu sein in dem Spiel, weil wir da auch einfach ein bisschen zu viel haben liegen lassen und nicht genug gemacht haben, um am Ende sagen zu können, so das Spiel hätten wir gewinnen müssen, so ein Fußball dann.
00:12:28: Boah, aber, warte mal, das ist mir zu nüchtern ehrlich gesagt.
00:12:31: Also wenn ich mir die Art anschaue, also... Wie ihr ausgeschieden seid in den letzten Minuten des Spiels.
00:12:39: Nein, das
00:12:39: ist
00:12:40: unfassbar bitter
00:12:41: gewesen.
00:12:42: Mein Sohn hat geweint.
00:12:44: Ich hab auch geweint.
00:12:45: Es war unfassbar emotional.
00:12:48: Wenn ich aufs Spiel gucke und weiß, was wir können.
00:12:53: Dieses Spiel gegen Frankreich war an dem Tag das Beste, was uns hätte passieren können.
00:13:00: Aber gegen Spanien haben wir nicht versucht.
00:13:03: unseren Fußball zu spielen.
00:13:04: Sondern dann hatten wir unsere Fighter-Identität und wir wollen einfach allen das Leben schwer machen und haben aber ein bisschen vergessen, unsere Qualität durchzudrücken.
00:13:13: Fand ich persönlich.
00:13:14: Und als ich dann auf das Spiel nochmal zurückgeguckt habe, nachdem das dann vorbei war, kann man nicht sagen, wir sind irgendwie unverdient ausgeschieden.
00:13:21: In dem Spiel war das so Aitana Bonmati.
00:13:23: Das ist halt auch einfach krass, muss man einfach machen.
00:13:26: Also dieses Tor, das muss man auch einfach erst mal so machen.
00:13:28: Das ist wirklich unfassbar.
00:13:30: Das wünscht man sich nicht als deutsche Spielerin, dass das so endet.
00:13:32: Das ist natürlich gar keine Frage.
00:13:33: Und wie gesagt, ich glaube, wir hätten das Zeug gehabt, ins Finale zu kommen.
00:13:36: Aber ich muss sagen, wir haben, glaube ich, wieder mit der Art und Weise, wie wir Fußball gespielt haben, wie viele Leute wieder abgeholt.
00:13:43: Das ist für uns ja auch immer wichtig, dass wir so Deutschland mitnehmen, dass wir irgendwie das Land auch stolz präsentieren und am Ende zurückkommen.
00:13:53: Auch alle stolz auf uns sind mit der Art und Weise, wie wir es gemacht haben.
00:13:55: Und ich glaube, das haben wir geschafft.
00:13:56: Da können wir uns nicht viel angreiten.
00:13:57: So viel mehr.
00:13:59: Wir haben alles gegeben, was wir hatten.
00:14:00: So, damit kannst du nach Hause fahren.
00:14:02: Aber es ist natürlich bitter, weil mehr drin gewesen wäre.
00:14:04: Bringt das aber für euch nicht auch einen unwahrscheinlichen Druck mit?
00:14:08: Du sagst selber, ihr müsst oder ihr wollt die Leute mitnehmen.
00:14:11: Das klingt so, als wenn ihr immer noch so oft der... auf der Suche seit, beziehungsweise immer noch diesen Drang habt, ihr müsst den Frauenfußball weiter nach vorne bringen, ihr müsst ihn mehr noch promoten.
00:14:21: Bringt das nicht auch gleichzeitig diesen Druck mit, dass man dann eben auch weit kommen muss, dass man sich halt gar nicht nur auf die Leistung konzentrieren kann, sondern auch immer diesen Hintergedanken hat, ey, wir müssen weit kommen, damit der Frauenfußball noch größer wird?
00:14:33: Ja, auf jeden Fall.
00:14:35: Ich glaube aber, wenn du... deutschen Nationalspielerin bist oder deutscher Nationalspieler, das nimmt sich da, glaube ich, in der hin sich nicht so besonders viel was den sportlichen Erfolg angeht.
00:14:46: Also der Druck ist immer da und ich glaube, wir haben den Anspruch an uns einfach alles auf den Platz zu lassen und ich glaube, wir wissen, dass wenn wir das tun, das kommt bei den Leuten an.
00:14:55: Das nimmt die Leute mit und ich habe es immer so verspielt.
00:14:58: Also ich meine, ich spiele jetzt eine Weile Fußball, acht Jahre im Profifußball in der Bundesliga.
00:15:02: Ich habe die Entwicklung auch mitbekommen und ich merke einfach so... Erklagen kannst du dir, die zu den Zuspruch eh nicht.
00:15:09: Also für mich ist es immer so, wenn wir einfach unser Ding machen und wir selbst sind und authentisch sind und das können wir, glaube ich, gut, weil wir es einfach sind, dann kommen die Leute nach und nach von alleine und ich empfinde das nicht so als Druck, sondern ich freue mich eher darüber, wenn sich das dann ändert und dieses, wie gesagt, das weitkommen muss man als deutsche Mannschaft sowieso immer, sonst hat alle
00:15:28: entdeutscht.
00:15:29: Wobei es ja schon eben tatsächlich nochmal eine andere Voraussetzung ist.
00:15:32: Wir haben es ja eben gerade im Vorgespräch gehabt, dass du mittlerweile ziemlich busy bist und aufpassen musst, dass du nicht zu viel machst, weil es einfach so viele Möglichkeiten und so viel Aufmerksamkeit links und rechts gibt.
00:15:41: Vor drei Jahren war dein Leben noch ein anderes.
00:15:43: Da ging es eher darum, da war der Druck, okay, in welches Café gehe ich heute nach dem Training?
00:15:47: Ja, schon.
00:15:48: Das zeigt ja ganz deutlich diese Entwicklung.
00:15:51: die der Frauenfußball macht und die du ja ganz aktiv mitmachst, aber eben auch aktiv mitgestaltest.
00:15:56: Weil natürlich der Treiber dieser Entwicklung und das hat man ganz, ganz stark in der Schweiz auch gemerkt.
00:16:01: Wir haben über den Druck gesprochen.
00:16:02: Auf der anderen Seite ist es und da sind wir beim Thema Authentizität, was du gerade angesprochen hast.
00:16:08: Auf der anderen Seite ist das natürlich auch was, was den Frauenfußball ausmacht, dieses Naht, was natürlich dann auch schnell schwieriger wird, wenn das Ganze wächst.
00:16:19: Es ist so ein schwieriges Thema, weil vieles von dem, was uns ja auch hoch angerechnet wird, besteht ja aufgrund der Tatsache, wie es noch bei uns ist.
00:16:30: Es ist einfach noch anders.
00:16:31: Es ist noch nicht so viel Geld im Spiel, noch nicht so viel Politik in dem Verein im Spiel.
00:16:35: Es ist halt einfach noch ein bisschen kleiner, ein bisschen näher, ein bisschen nahebarer und noch nicht ganz so viel Trubel und noch noch nicht ganz so viel Fehler werden noch nicht so hart bestraft, so in jeder Hinsicht.
00:16:44: Und das ermöglicht, glaube ich, uns auch einfach... so zu sein, wie wir sind und so zu verhalten, wie wir es tun.
00:16:51: Ich weiß, da wird auch immer gerne verglichen und auch so im negativen Verglichen Richtung Männerfußball.
00:16:57: Und ich finde es immer so ein bisschen schwierig, weil es ist auch einfach eine andere Welt.
00:17:00: So, es ist eine andere Welt, das muss man einfach sagen.
00:17:01: Und ich merke, je mehr sich bei uns auch tut und je mehr Aufmerksamkeit kommt, die wir uns auch wünschen, dass es so schwieriger wird, ist das zu erhalten, weil es sich alles verändert und es ist halt einfach... die kapitalistische Gesellschaft und es ist halt einfach, da ist der Hype, da geht das Geld hin, da verändern sich die Dinge und das ist so schwer, das aufzuhalten.
00:17:20: Also ich bin mal gespannt, wie sich das auch entwickelt.
00:17:23: Ich glaube halt, wenn du dir das beibehalten willst und diese gewisse Nähe und das, was den Frauenfußball noch ausmacht, dann musst du halt irgendwie die Regularien irgendwie setzen, dass das in Zukunft irgendwie kontrolliert wird.
00:17:35: Ich habe aber aktuell nicht wirklich das Gefühl, dass das passiert, weil...
00:17:39: Was muss kontrolliert werden?
00:17:40: Was willst du kontrollieren?
00:17:41: Naja.
00:17:42: Es wird auch sich so entwickeln, dass die Spielerin dahin gehen, wo das viel Geld ist.
00:17:46: Und dann wird auch es im Frauenfußball schwierig sein, den Wettbewerb über die ganze Liga so spannend zu halten.
00:17:52: Wir gehen dann immer weiter Richtung diesen Summen, die Männerfußball sind.
00:17:56: Davon sind wir noch weit entfernt.
00:17:58: Aber mit dieser Entwicklung werden sich auch andere Dinge geflugiert in die großen Stadien.
00:18:02: Das ist weniger Nahbarkeit für die Fans.
00:18:03: Ich liebe bei uns, dass wir im Brentanebad spielen und dann kommen mittlerweile viertausend Leute und es ist eine geile Stimmung.
00:18:09: Die Leute bringen ihre Kids mit, Studenten kommen, alle können rein.
00:18:12: Kein Stress.
00:18:13: Parkplatzsuche, ja, gibt es bei uns auch, aber in anderen Dimensionen.
00:18:16: Das ist halt einfach irgendwie cool, dass wir diesen Space haben, der auch irgendwie andere Leute ins Stadion holt.
00:18:23: Aber wenn du halt dann in die großen Stadien gehst und je mehr wir uns angleichen, ich will das gar nicht aufhalten.
00:18:28: Ich sage nun, man sollte sich irgendwie damit auseinandersetzen.
00:18:30: Okay, was macht uns aus?
00:18:32: Was macht uns anders?
00:18:33: Was macht uns auch irgendwie auf eine Art wichtig innerhalb des Fußballs?
00:18:36: Und wie können wir das bewahren und nicht einfach alles laufen lassen, wie es halt einfach läuft?
00:18:41: Weil dann kommen natürlich gewisse Dynamiken rein, die vielleicht gar nicht unbedingt gewünscht sind immer.
00:18:48: Guck mal, das Ding ist, ich erzähle dir jetzt mal so ... Meinte ich dazu, weil du sprichst mir so sehr aus der Seele und ich spreche aus der Lage eines anführungszeichen privilegierten Mannes, der in diesen... Lass die
00:18:58: Anführungszeichen weg.
00:19:02: Ich bin in einer sehr privilegierten Lage und ich spreche jetzt als jemand, der sicherlich natürlich eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit sich erarbeitet hat.
00:19:10: Und trotzdem sage ich dir genau das, was du da gerade beschreibst, dieses kleine, dieses authentische, dieses... Ich habe Gefühl zu jedem einzelnen Fan eine Beziehung, weil ich ihn kenne, weil das alles noch so überschaubar ist.
00:19:22: Genau dieses Gefühl hatte ich damals in Holland.
00:19:25: Ich war bei Dortrecht, das war meine ersten Steps im Fußball in der zweiten Liga und in der ersten Liga.
00:19:30: Das war ein Stadion von drei Tausend Fünfhundert Leuten.
00:19:33: Das war immer voll und nach dem Spiel sind wir dann immer mit den Fans noch zusammen gefühlt ein Trinken gegangen und haben uns dann in der Stadt wieder getroffen.
00:19:39: Das war für mich so dieser Fußball in der reinsten Art und Weise.
00:19:44: Und natürlich hatte ich immer das Ziel, so hoch wie möglich zu kommen und für die besten Vereine der Welt zu spielen.
00:19:49: Und ich bin so froh, dass ich mir das ermöglichen konnte und diese Träume erreichen konnte.
00:19:54: Gleichzeitig hat der Fußball an sich aber total darunter gelitten, weil der immer mehr so in den Hintergrund gerückt ist und stattdessen immer mehr dieser Kommerz, dieses Vermarkten und dieses Geld in den Vordergrund gerückt ist.
00:20:07: Und deswegen ist diese Entwicklung, die es bei uns ja schon bei den Männern schon Ewigkeiten gibt, quasi Auf der einen Seite klar, nimmt man gerne mit, lügen wir uns jetzt nicht selber an, man macht es auch dafür, für eine finanzielle Absicherung ist dein Job und du machst es auch dafür.
00:20:21: Auf der anderen Seite ist aber schon der Preis, den man dafür zahlt, eben so ein bisschen diese Fußballromantik und dieser Fußball in seiner reinsten Art und Weise, wie ich ihn halt kennengelernt habe und so wie wir ihn ja auch alle lieben gelernt haben, weil wir sind alle mal angefangen ohne Zuschauern einfach nur, weil wir Bock auf die Kugel hatten so, ne?
00:20:40: Und genau das ist ja die Entwicklung, die du ansprichst.
00:20:43: Ja, ich glaube halt aufhalten ganz kann man es ähnlich und will ja im Endeffekt auch keiner, weil ich mein Fußball ist Unterhaltung, so die Vereine wollen, müssen Geld verdienen, so du kannst ja nicht, wenn du anfängst über diese Grundsätze zu diskutieren, dann kannst du direkt mal generell die ganze kapitalistische Gesellschaft hinterfragen.
00:21:00: Also du musst dich ja gewissen gesetzen, musst du dich ergeben.
00:21:04: Aber ich glaube schon, dass du Na ja, wenn sich die Vereine zusammensetzen und wenn sich die Liegen zusammensetzen und man überlegt, okay, gibt es Dinge, die wir tun können, um so einen gewissen Grundbaustein zu erhalten, der uns wichtig ist und der auch den Frauenfußball vielleicht unterscheidet und der vielleicht gewisse Veränderungen wenigstens ein wenig aufhalten kann oder das wenigstens bewusst zu steuern, das würde ich mir wünschen.
00:21:26: Aber es ist halt, was heißt leicht gesagt, ich habe keinen Einblick in diese ganzen Prozesse, es ist schwer.
00:21:32: zu durchschauen, auch als Spieler oder Spielerin.
00:21:34: Es ist nur etwas, was ich mir wünsche, was nicht aus den Augen verloren werden sollte, weil sonst geht's verloren.
00:21:41: Ich glaube, das Entscheidende ist eben, ja, den Wandel aufhalten kann man nicht, aber eben wieder dieses Mitgestalten und du sagst es, da ist dieses kapitalistische System und damit musst du im Fußball da so arbeiten, aber eben genau das immer wieder anzusprechen und genau die Haltung.
00:21:56: zu bewahren und kein Blatt vor den Mund zu nehmen.
00:21:59: Ich glaube, das ist halt entscheidend, dieses Edgy sein, dieses nicht alles zugeladen lassen, sondern wirklich man selber sein, auch... offen anzusprechen, wenn ein Dinge nerven.
00:22:09: Ich glaube, das ist ein ganz, ganz großer Unterschied, dass im Fußball der Männer es einfach so ist, dass zu viele Probleme da sind, die einfach totgeschwiegen werden.
00:22:17: Und wenn man einfach immer wieder sagt, ja, ich bin Teil dessen, aber das heißt nicht, dass sich alles und jede Entwicklung, die gerade passiert, super finde, sondern ich finde schön, dass wir dies haben und ich finde schön, dass wir das haben, wenn man sich das erhalten kann, wenn ihr euch das erhalten könnt und dafür ist es dann auch wichtig Vorbilder zu haben, dann kann man diese Richtung zumindest ein bisschen mitgestalten.
00:22:37: Ich kann zum Ende des Tages auch nicht so wirklich sagen, weil ich weiß nicht.
00:22:40: Ich gehe auch durch mein Leben und versuche einfach das Richtige zu tun und mich für die Dinge einzusetzen, die mir wichtig sind.
00:22:44: Und das ist ja auch irgendwie jedem seine Sache.
00:22:48: Also das kann man den Menschen auch nicht aufzwingen.
00:22:49: Ich hoffe einfach, dass wir genug Leute haben, die eben genau das tun und ihren Mund weiterhin aufmachen.
00:22:54: Und wenn du halt aber auch nicht so viel zu verlieren hast, ist es immer einfacher, als wenn du es hast, in Anfangsstrichen.
00:23:01: Das sind keine Vorwürfe.
00:23:02: Ich weiß, dass das nicht immer so einfach ist.
00:23:05: Aber ja, ich bin auf jeden Fall sehr gespannt.
00:23:08: Es hat sich noch so viel verändert in den letzten Jahren.
00:23:09: Es wird sich so viel verändern.
00:23:11: Wir sehen es jetzt ja, aber für euch ist das noch nicht so viel.
00:23:13: Aber wenn ich jetzt so eine Million Transfers sehe innerhalb der englischen Liga und so bei den Frauen auch, dass sie beträge, die konntest du dir vor zwei Jahren einfach noch nicht vorstellen.
00:23:22: Das ist für uns schon auch viel.
00:23:23: Und die Aufmerksamkeit wächst auch immer weiter.
00:23:26: Was du ja auch diesen Sommer ... erleben konntest erleben durfte ist die e.m.
00:23:32: war.
00:23:32: ich glaube zwei wochen durch und mit einem mal hat laura freigang ein video gepostet und im netz hat niemand mehr über die e.m.
00:23:39: gesprochen sondern nur ob laura freigang jetzt vergeben ist und welches geschlecht die person hat.
00:23:46: ja das war es eigentlich eine witzige geschichte weil es war wirklich aus versehen.
00:23:51: also Ich habe das nicht gecheckt, dass ich das gepostet habe.
00:23:55: Und thank god war das, literally war meine Freundin abgedeckt.
00:24:00: Da seht ihr eine Decke über den Kopf, weil ich hätte nicht vor hier so ein girlfriend reveal zu machen.
00:24:05: Aber wir waren im Urlaub und wir haben eigentlich so einen gemeinsamen.
00:24:09: TikTok Account, der privat ist, wo niemand sieht, was wir posten, weil wir für eine Fernbeziehung.
00:24:15: Und irgendwie muss man sich ja bei Laune halten und ab und zu laden wir dann dann mal was hoch.
00:24:18: und dann habe ich das TikTok gemacht und ich dachte, ich poste das Privat in unserem gemeinsamen Account.
00:24:23: Und dann gucke ich so zehn Minuten später und bin so, oh mein Gott, das ist öffentlich auf meinem
00:24:28: ...
00:24:30: auf meinem Profil, was überhaupt nicht schlimm war, aber halt anexpected.
00:24:34: Und da hatte es irgendwie schon Zehntausend Aufrundfjahr, so, jetzt werde ich sicherlich nicht mehr löschen, weil das kommt irgendwie auch komisch.
00:24:40: Und hab dann so kurz darüber nachgedacht, man war dann so, ja, meine Güte halt ist ja auch nicht schlimm.
00:24:44: Ich hab das nie geheim gehalten, ich hab das nie verschwiegen.
00:24:47: Ich hab es einfach immer so privat, das ist für mich privat.
00:24:50: Und da möchte ich nicht, dass da irgendwie Leute sich involvieren.
00:24:54: Es ist halt einfach so, es gibt so Superfans und es gibt Leute, die alles mitkriegen wollen.
00:24:58: Und ich find's so ... Meine Beziehung, die behalte ich gerne für mich, da sehe ich keinen Mehrwert, das in die Öffentlichkeit zu tragen.
00:25:03: Trotzdem muss ich kein Geheimnis daraus machen, ob ich eine Freundin habe oder nicht.
00:25:06: Nur, es ist jetzt nicht mein erstes Thema, wo ich rausgehe und irgendwie in die Welt hinaus schreihe.
00:25:11: Und für mich hat es dann so gepasst.
00:25:12: Ich dachte so, es ist eigentlich ganz lustig.
00:25:13: Es ist eine lustige Story.
00:25:14: Die Leute haben es irgendwie total positiv aufgefasst.
00:25:17: Es war dann witzig, irgendwie da zwei Artikel drüberzulesen, wie nonchalant ich mich hier geoutet hätte und so.
00:25:24: All right.
00:25:25: Nee, er fand es eigentlich ganz funny.
00:25:26: Und deswegen habe ich es dann gelassen und alles gut.
00:25:28: Naja, ich glaube, zwölf Artikel ist ein bisschen untertrieben, was da passiert ist.
00:25:32: Dazu hat natürlich auch gehört, dass du ja sehr positiv aufgefasst, aber du wurdest dann ja auch ganz schnell als Roll-Model hingestellt.
00:25:41: Was hat das mit dir gemacht?
00:25:42: Ich weiß nicht, das ist once again, das ist irgendwie... Ich sehe das wirklich
00:25:45: so egal.
00:25:46: Tangiert dich das so wenig, was da dann besprochen wird?
00:25:49: Ich hatte immer so eine Allergie aufs Outen, weil ich... Ich finde, dass ich das ankündigen muss.
00:25:56: Ich finde, es muss kein Thema sein, welches Geschlecht die Person hat, die ich date.
00:26:01: Der Begriff Outen ist auch schon völlig scheiße.
00:26:03: Ich verstehe das schon.
00:26:05: Man muss ja sagen, es ist Realität.
00:26:06: Viele Leute müssen sich outen, weil es nicht normal ist.
00:26:08: Das sucht man sicher nicht aus, ob Leute das normal finden oder nicht.
00:26:11: Leider ist die Welt halt noch so, wie es ist.
00:26:13: Deswegen ist es oft Outing.
00:26:15: Ich hatte aber nie das Bedürfnis und wollte auch bewusst nicht, dass irgendwie ankündigen müssen.
00:26:19: Und ich bin halt einfach ich.
00:26:21: Natürlich bin ich Teil der queeren Community in dem Fall.
00:26:24: Und für viele Leute ist das auch noch neu.
00:26:25: Und ich bin froh, wenn... Es ist auch wieder das Gleiche.
00:26:28: Wenn darüber Gespräche entstehen und sich Menschen damit auseinandersetzen, dann halte ich das für was Gutes, dann geht es hoffentlich voran.
00:26:34: Ich fand dann irgendwie die Art und Weise, wie das dann alles passiert, das fand ich super, weil anders hätte ich es auch nicht gewollt.
00:26:39: Als ganz natürlich und ohne drüber nachzudenken, nur wenn man in der Öffentlichkeit steht, dann ist es irgendwie so schwierig, das auf eine ganz relaxede Art und Weise zu machen, ohne dass das irgendwie zu einem riesen Thema... gemacht wird.
00:26:49: Und wie gesagt, ich versuche einfach, ich selbst zu sein und damit offen umzugehen und viele Dinge privat zu halten, aber eben nicht alles über mein Leben.
00:26:57: Und das ist Teil davon.
00:26:58: Und wenn sich das Leute als Vorbenehmen wollen, dann freut mich das.
00:27:01: Aber am Ende des Tages würde ich doch einfach appellieren, seid alle ihr selbst.
00:27:05: Weißt du?
00:27:05: Also, im besten Fall muss man nicht so viel Angst haben.
00:27:09: Ja, aber ich glaube schon, diese Rohmodellfunktion, die man als Person der Öffentlichkeit hat und der man meiner Meinung nach dann auch so ein bisschen stückweit nachkommen sollte, weil am Ende Laura ist ja bei dir jetzt auch so gewesen.
00:27:21: Fünfzehnzwanzig Artikel aufgrund der Tatsache, dass du jetzt ein Girlfriend hast, das bedeutet ja schon in der Konsequenz, dass es halt in der Gesellschaft anscheinend noch nicht normal ist, weil ansonsten wird ja keiner darüber berichten.
00:27:33: Und dann in der Konsequenz, wenn du dann halt damit eben so locker umgehst und das zu einem so normalen Thema machst, dann glaube ich schon, dass sich das viele einfach abschauen und für viele dann einfach vielleicht die Hemmschwelle, das für sich auch so in ihrem Umkreis zu entscheiden, schon ein Stück weit geringer ist.
00:27:48: Und deswegen ist es doch toll, wenn man das miteinander verbinden kann, eigentlich.
00:27:52: Das auf jeden Fall.
00:27:52: Und ich bin mir sozusagen meiner Rolle als öffentliche Person auf jeden Fall bewusst.
00:27:57: Aber ich finde, also ich mein... Jetzt stelle ich halt in der Öffentlichkeit, aber ich mache im Grunde genommen das, genau das Gleiche, wie ich jeden Tag mache.
00:28:02: Ich will mich nicht, mein Verhalten nicht bewusst verändern.
00:28:07: Nur weil es auf einer größeren Bühne ist, außer natürlich, man denkt natürlich über die Sachen nach, bevor man sie tut.
00:28:11: Aber wie gesagt, im besten Fall machst du das immer.
00:28:15: Also
00:28:15: ihr wisst, was ich
00:28:16: meine.
00:28:16: Vorher nachdenken ist sowieso immer eine gute Idee.
00:28:20: Ja, absolut.
00:28:22: Deswegen, also keine Ahnung, ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ... Da muss ich dann auch nicht so viel nachdenken, wie ich mich verhalte, weil ich das sage, was mir wichtig ist.
00:28:30: Ja, voll.
00:28:30: Und mir geht es auch genauso.
00:28:33: Es gab dann auch mal jetzt eine Zeit, wo dieser Podcast auch rausgekommen ist und wo ich zwei, drei Interviews hintereinander zum Thema mentale Gesundheit gegeben habe.
00:28:40: Wo dann auch, wo ich dann auch wieder von Freundenartikel und so geschickt bekommen habe, ey, das ist nur noch der Psychologe, das ist nicht mehr der Fußballer, der kümmert sich nur noch da drum.
00:28:48: Sondern denke ich mir, ey, was habt ihr alle für ein Problem so?
00:28:51: So, ich stehe dafür ein, das ist mir ein sehr, sehr wichtiges Thema.
00:28:54: Ich glaube auch, dass ich da authentisch darüber berichten kann.
00:28:57: Also mache ich das auch, weil ich weiß, wie wichtig das ist.
00:29:00: Und ob das dann jemanden interessiert oder nicht interessiert, ist mir nicht egal, aber ich kann das nicht beeinflussen.
00:29:06: Das ist die Schwierigkeit, die ich mit der Öffentlichkeit habe, ist, dass Ich meine, es gibt ja so die Person, die man ist, die man kennt, die man schon immer war.
00:29:14: Und dann gibt's das öffentliche Bild von einem.
00:29:16: Und das wird halt einfach, da hat man nicht wirklich nur Kontrolle drüber, finde ich.
00:29:20: Also es gibt ja immer so ein Narrativ über die Person.
00:29:23: Du wirst wahrgenommen und du kannst dich nie davor schützen.
00:29:27: Und das ist immer, finde ich, ein bisschen schwierig.
00:29:30: Was finde ich auch nie normal werden wird, weil es ist ja nicht normal in der Öffentlichkeit zu stehen, als es nicht normal
00:29:35: ist.
00:29:35: Nee, ist es auch nicht.
00:29:36: Und ich finde, das Krasse daran ist dann immer, die Leute wünschen sich dann immer Personen, die ihre Stimme erheben, die für Themen einstehen.
00:29:43: Aber wenn sie das dann machen, wird einem das dann auch wieder negativ ausgelegt, weil sie sich dann wieder nicht auf den Sport konzentrieren.
00:29:49: Ja, eben genau.
00:29:50: Und es hat aber echt lange gedauert, bis ich dann verstanden habe, wie egal mir das sein kann.
00:29:55: So, wenn ich im Reihen mit mir selber bin und wenn ich für meine Themen authentisch einstehen kann, dann muss ich mich dafür nicht schämen.
00:30:01: Und dann hat das eine auch nix mit dem anderen zu tun, nur weil ich mich dann gerade intensiver um mentale Gesundheit kümmere, habe ich nicht auf der anderen Seite weniger Kapazität, um ein gutes Spiel abzulegen.
00:30:11: Das bedeutet andersrum nicht, nur weil ich schlecht spiele, heißt das nicht, dass ich zu viel mit anderen Themen beschäftigt bin.
00:30:16: Ihr müsst
00:30:16: es einfach machen, wie ich.
00:30:17: Ihr braucht einfach einen berühmteren Podcast-Partner, dann kann man selber sehr, sehr anonym bleiben.
00:30:22: Aber tatsächlich, was für mich noch mal ein... wichtiger punkt ist ihr habt jetzt beide gesagt ja man muss einfach man man selbst sein und ich verstehe nicht wie leute nicht einfach sie selbst sein können.
00:30:32: ich glaube es ist für viele viele menschen gar nicht so leicht sie selbst zu sein weil sie eben ein geringeres selbstbewusstsein haben als ihr beide weil sie sich vielleicht auch weniger gut kennen als ihr und weil sie das war ein wichtiger punkt den du eben gesagt hast robin weil sie möglicherweise auch weniger mit sich selbst im rein sind vielleicht mehr an sich zweifeln.
00:30:53: und das ist was Laura, was ich finde, was du total ausstrahlst, auch in diesem Gespräch jetzt, dass du diese maximale Lässigkeit hast.
00:31:02: Jetzt komme ich doch auf die Szene, die ich vorhin schon angedeutet hat.
00:31:06: Das war der letzte Spieltag eben.
00:31:07: Ihr wart mit Frankfurt in Leipzig zu Gast.
00:31:09: Du standest bei, ich weiß gar nicht mehr, wieviel Toren, ich glaub, vierzehn Toren.
00:31:13: Irgendwie sowas, ja.
00:31:13: Und also du warst auf jeden Fall nah dran an der Torjägerinnenkanone, was ich unter anderem deshalb wusste, weil die Torjägerinnenkanone mit dem Namen Laura Freigang bei mir unter dem Pult stand.
00:31:23: Der tut
00:31:23: weh.
00:31:26: Autsch.
00:31:26: Wow.
00:31:27: Die wurde dann wieder in den Keller geräumt.
00:31:29: Die hab ich jetzt.
00:31:31: Und dann gab es diese Szene, wo es einen aussichtsreichen Angriff für euch gibt und unsere Verteidigeren.
00:31:36: Vicky Krug geht runter, hat sich offensichtlich wehgetan, aber auch offensichtlich nicht schwer verletzt.
00:31:41: Der Ball kommt zu dir, die Schiedsrichterin pfeift nicht ab und dann, statt dass du auf das Tor gehst und eben eine sehr große Torchancen hast, spielst du den Ball ins Aus.
00:31:50: Und ich bin nach dem Spiel zu dir hin und habe gesagt, hey Laura, super cool und du hast mich so angeguckt wie her.
00:31:57: Was denn?
00:31:58: Nee, also das ist Danke, dass du das sagst.
00:32:01: Aber ich könnte nicht an einer verletzten Spielerin vorbeilaufen, den Ball in das Tauschen.
00:32:05: Nee, das geht für mich einfach nicht.
00:32:06: Damit würde ich mich ja überhaupt nicht gut fühlen.
00:32:09: Also irgendwo gibt es ja auch irgendwie Grenzen des irgendwie Leistungswillens.
00:32:15: Und wenn sich Vicky hinsetzt, dann hat sie einen Grund, das macht sie ja nicht einfach so.
00:32:18: Und dann spielt man den Ball raus.
00:32:19: Ich finde, das ist einfach Anstand.
00:32:21: Das war für mich dann auch keine Frage, ob ich aufs Tor schieße oder nicht.
00:32:23: Und ich hoffe, dass das die meisten so machen würden.
00:32:28: Aber trotzdem interessiert mich, woher diese Lässigkeit kommt.
00:32:32: Wir haben eben auch drüber gesprochen.
00:32:34: Einmal so eine Torjägerin kann ohne ist ein Ding, dann ist es kurz vor der EM, wo du natürlich auch noch mal potenziell glänzen willst.
00:32:41: Aber eben, ja, da sagst du, nee.
00:32:43: So nicht, sondern ich mach mein Ding.
00:32:45: Ich mach mein Ding offensichtlich auch neben dem Platz einfach so, wie es für mich passt.
00:32:49: Woher hast du dieses Selbstbewusstsein?
00:32:50: Woher kommt das?
00:32:52: Ich glaube, ich strahle das anscheinend irgendwie sehr viel mehr aus, als ich dann vielleicht manchmal so in mir habe, um ehrlich zu sein.
00:32:58: Also, ich glaube, ich wirke auf viele so, als hätte ich so absolut meine Mitte gefunden.
00:33:02: Und ich glaube auch in den meisten Themen, ich habe zu den meisten Themen eine Meinung und ... mich mit der Meinung auseinandergesetzt und bin mir deswegen auch irgendwie relativ sicher, dass wenn ich was sage, dass ich dahinterstehen kann.
00:33:12: Und ich glaube, ich bin auch in vielen Dingen sehr, sehr unsicher.
00:33:16: Vielleicht streiche ich das nicht so aus, vielleicht habe ich es gelernt, auch nicht so zu zeigen.
00:33:20: Aber ich habe immer das Gefühl, dass ich sehr viel mehr so wahrgenommen werde, als ich wirklich bin.
00:33:24: Vielleicht ist auch falsch, ich weiß es nicht.
00:33:27: Aber ich weiß gar nicht, das ist so schwer für mich, darüber was zu sagen, weil man selbst nimmt sich ja immer ganz anders wahr, als andere einen wahrnehmen.
00:33:33: Wo
00:33:33: bist du unsicher?
00:33:34: Wo bist du unsicherer, als viele wahrscheinlich denken würden?
00:33:37: Naja, ich glaube, gerade wenn du sagst auf dem Platz, dass ich dann lässig wirke und so ganz cool und nee, das Tor brauche ich nicht mehr und so geht's mir ja nicht.
00:33:44: drin immer.
00:33:45: Also ich habe es ja gerade gesagt, die Hinrunde zum Beispiel lief richtig gut und dann die Rückrunde lief gar nicht gut, weil ich viele Selbstzweifel auch habe.
00:33:51: Ich glaube, das ist im Leistungssport auch ganz normal.
00:33:53: Ich glaube, für den Sport wäre es super, wenn man sich einfach nie hinterfragt und denkt, man wäre der geilste Spielerin ever und wenn es nicht läuft, sind alle anderen Schuld und an mir liegt es nicht.
00:34:01: Das wäre irgendwie für den Sport top.
00:34:04: So bin ich aber gar nicht, muss ich ehrlich zugeben.
00:34:07: Ich wäre manchmal gerne ein bisschen mehr so.
00:34:09: Ich hinterfragt mich viel.
00:34:11: Ich glaube auch, dieses ganze, dieses Reflektiertheit und dieses sich mit allem auseinandersetzen ist was sehr Gutes fürs Leben.
00:34:15: Aber kann auch manchmal eine Böde sein, weil ich kann meinen Kopf auch oft nicht aufhalten.
00:34:21: Also ich bin zum Beispiel auch eine ganz schlechte Schläferin, weil abends will das Gehirn einfach nicht aufhören zu denken.
00:34:28: bewerte mich sehr viel selbst.
00:34:30: Das ist auch so eine Sportsache, so Daumensituationen bewerten und Entwicklungen bewerten und sich zu vergleichen.
00:34:36: So, das führt einfach zu Unsicherheiten.
00:34:38: Und ich glaube, ich bin so froh, dass ich diese Welt außerhalb des Fußballs habe, weil ich mich da sehr viel leichter tue als im Leistungssport.
00:34:45: Aber innerhalb des Leistungssporten muss ich sagen, ist man ja immer eine gewisse Rolle und ist gewissen Regeln ausgesetzt und Situationen ausgesetzt und Druck ausgesetzt.
00:34:54: Und da bin ich schon auch in vielen Situationen unsicher.
00:34:56: Das gebe ich auch ganz auf mein Erd.
00:34:59: nur anscheinend, glaube ich, man merkt es mir gar nicht so sehr an.
00:35:03: Ich bin spannend, was du sagst zu diesem Thema Selbstbewertung, weil ich mit der Zeit gelernt habe, ich bin ja mittlerweile auch leider gottisch von ein alter Hasen in den Fuß bei meinen ein dreißig Jahren und ich habe gelernt, dass mir diese Selbstbewertung und die Bewertung von zwei, drei ganz ausgewählten Personen tatsächlich sehr viel gibt und sehr viel bringt.
00:35:23: Ich war auch immer ein... Bieler, bin das nach wie vor noch, so wie du den auch gerade beschrieben hast, nämlich sehr nachdenklich, sehr viel mit sich selbst beschäftigt, nicht die Fehler bei anderen suchen, sondern zu viel bei sich selbst suchend.
00:35:35: Es gab aber dann schon auch diese Momente, wo ich mir dann von allen anderen Meinungen zu meiner Leistung eingeholt habe und von allen anderen wissen wollte, wie habt ihr das denn gesehen?
00:35:44: Stimmt ihr mir dazu oder stimmt ihr mir da nicht zu?
00:35:47: Und es gab dann, ich weiß gar nicht mehr genau wann das war, aber irgendwann habe ich mich dann entschlossen, ey, pass auf, der Einzige, der wirklich bewerten kann, wie ich gespielt habe, bin erstmal ich selbst.
00:35:57: Und das ist dann vielleicht noch mein Vater, weil der alle Spiele von mir schaut und genau weiß, wie ich bin als Mensch und als Spieler.
00:36:03: Und das ist vielleicht dann noch der Trainer, weil der mich ja für das Spiel einstellt.
00:36:07: Und ab dem Moment, wo ich das für mich geändert habe und den Fokus wirklich auf diese Bewertung gelegt habe, muss ich schon sagen, dass ich so gerade im Nachgang mit Spielen, auch nach schlechten Spielen, viel besser damit umgehen kann tatsächlich.
00:36:18: Ja, man musste irgendwie so seine Balance finden.
00:36:20: Ich glaube, was ich über mich gelernt habe im Laufe der Zeit ist, dass ich zu viel Bewert auch in Situationen.
00:36:27: Ich meine, du hast keine Ahnung, wenn es gut läuft.
00:36:31: Und wenn du jede Situation in dem Moment bewertest, für mich ist das eine Riesenlast.
00:36:35: Und ich finde das ganz spannend, wenn man sich Tennis anschaut, die besten Spieler der Welt, da geht im Moment die Statistik rum.
00:36:42: Ich glaube, die besten Spieler der Welt gewinnen auch nur fünfzig bis achtundfünfzig Prozent maximal ihrer Ballwechsel.
00:36:49: Wenn du überlegst, wenn man sich über jeden zweiten Ball ärgert, Das ist ja so anstrengend.
00:36:54: Du verwendest deine Energie auf die falschen Dinge.
00:36:56: Und ich fand das irgendwie, ich bin selten irgendwie so inspiriert von irgendwelchen Quotes oder so, muss ich sagen.
00:37:01: Aber das, den Gedanken, fand ich schon extrem spannend, weil ich dann irgendwie mal so Selbstkontrolle gemacht habe und geguckt habe so, oha.
00:37:08: Ich bewerte mich andauernd im Training, im Spiel.
00:37:11: Und wenn du dann so ein Gefühl entwickelst und eher so denkst, das ging aber nicht und das lief nicht und so.
00:37:16: Und dann bist du so viel zu hart mit dir selbst.
00:37:18: Das raubt so viel Kraft.
00:37:19: Und ich habe mir für diese Saison vorgenommen, dass ich das so sehr es geht, Versuche zu reduzieren.
00:37:27: Sowohl Bewertung von außen, das finde ich auch ganz, ganz wichtig, das Thema.
00:37:30: Auch nicht so viel im Internet immer und nicht Artikel durchlesen und so blar.
00:37:34: Das ist gar nicht so einfach, aber ... Funktioniert für mich so auch besser.
00:37:38: Und aber auch an erster Stelle mir an die Eigenase gereifen und nicht immer so hart mit mir selbst sein.
00:37:44: Dann drehen wir die ganze Frage vom Anfang mal um.
00:37:46: Wo hast du für dich deine absolute Sicherheit?
00:37:49: Ich fühle mich sicher, glaube ich, wenn ich so eine gewisse Freiheit habe.
00:37:53: So, wenn ich das Gefühl habe, ich kann mich einfach, ich glaube, ich bin jemand, der sich gerne ausdrückt und gerne irgendwie auch Dinge nach draußen in die Welt trägt.
00:38:02: und wenn ich irgendwie eine gewisse Freiheit habe und einen gewissen Freiraum und ich selbst, das Gefühl habe, ich kann einfach authentisch ich selbst sein.
00:38:07: Ich glaube, dann fühle ich mich am allerwohlsten.
00:38:09: So im Fußball ist es ja auch manchmal so und ich tue mich teilweise auch bei Turnieren echt schwer, weil man so in diesem, es ist ja... Beste Ort der Welt, genau da will man ja sein.
00:38:18: Aber es ist so mit so vielen Regeln und so Kleinigkeiten, die mir den ganzen Tag, weißt du, dein ganzer Tag ist strukturiert.
00:38:24: Du kannst nicht einfach dich irgendwie ins Auto setzen und abhauen.
00:38:26: Du kannst nicht einfach Freunde treffen.
00:38:27: Du kannst nicht so Kleinigkeiten wie meine eigenen Klamotten anziehen.
00:38:31: So, alles wird vorgegeben und das ist überhaupt nicht mein Ding.
00:38:35: wochenlang im gleichen Raum aufzuhalten.
00:38:38: So, wenn ich nach Hause komme, von so trainieren als erstes, was ich mache als als Auto und dann einfach mal irgendwo hinfahren, einfach weil ich es kann.
00:38:45: So, ich brauche so eine gewisse Möglichkeit mich auszudrücken und das ist halt beim Fußball, da muss ich schon sagen, so im Leistungssport oft gar nicht so einfach.
00:38:53: Thema mehr von der Welt sehen wollen wir auch gleich noch drüber sprechen, aber tatsächlich da, du hast die Fotografie eben gerade auch schon angesprochen, inwieweit... Ist die auch ein Ausweg aus diesen Regelsituationen für dich?
00:39:04: Inwieweit kannst du dich jetzt ganz groß gesagt dann auch hinter der Kamera verstecken?
00:39:08: Ja, das Verstecken ist ein guter Punkt.
00:39:10: Ich liebe es, mich selbst auch aus dem Fokus zu ziehen und einfach zu beobachten.
00:39:14: Das macht mir richtig, richtig Spaß.
00:39:16: Alles, was ich so mit dem Fußball mache und alles, was man so für Möglichkeiten hat, das ist auch cool.
00:39:20: Aber ich habe wirklich, ich freue mich darauf, auch irrelevant zu sein, einfach.
00:39:24: Da habe ich gar kein Problem mit.
00:39:26: Einfach nur für die Leute relevant zu sein.
00:39:29: die in meinem Kreis und das ist total in Ordnung für mich.
00:39:31: Deswegen, das gibt mir die Fotografie auf jeden Fall so ein bisschen, dieses so zurückziehen, beobachten, so mitnehmen einfach.
00:39:39: Es macht Spaß.
00:39:40: Es ist ja auch eine Kunstform.
00:39:41: Genau.
00:39:42: Und deswegen glaube ich, habe ich das auch so für mich entdeckt, weil es irgendwie ein Perspektivenwechsel ist im wahrsten Sinne des Wortes.
00:39:48: finde ich spannend, weil das ist bei mir das gleiche nicht mit der Kamera, aber so einfach, wenn ich dann mich aus der Kabine zurückziehe und quasi so ein bisschen die Gruppe beobachte mit dem Background, den ich durch das Studium bekommen habe, da versuche ich dann auch immer so ein bisschen mich rauszunehmen und einfach nur so unsere Gruppe zu beobachten, so ein bisschen die Gruppendynamik einzuschätzen.
00:40:07: und das gibt mir halt auch so total diesen Perspektivwechsel, der manchmal oder habe ich mich schon oft dabei erwischt, wie wie der mir dann so in manchen Situationen auch im Feld geholfen hat, weil ich dann doch so mitbekommen habe, wenn die Leute miteinander geredet haben und ich habe dann nicht bewusst jetzt irgendwie hingehört, sondern einfach nur, wie die sich verhalten haben und mit welcher Gistig und Mimik die so gesprochen haben, da habe ich dann schon teilweise verstanden, in welchem Mut die so sind.
00:40:32: Und deswegen, das ist jetzt keine Art von Versteck vor der Kamera, sondern vielmehr so einen sich zurückziehen und beobachten.
00:40:38: Und das machst du ja dann im Prinzip durch deine Kamera auch.
00:40:41: Ja, auf jeden Fall.
00:40:42: Und ich find's voll wichtig, das zu können, weil so wie die Welt irgendwie heutzutage ist, so, man könnte ja immer, also, es passiert immer so viel.
00:40:51: Und ich find's so wichtig, dass man auch so Momente hat, wo man einmal kurz so innehält und so alles wahrnimmt und irgendwie sich selbst auch irgendwie bewusst wahrnimmt.
00:40:58: Ich werd's hier nicht zu irgendwie tiefem Psychologisch werden, aber es ist irgendwie schon wichtig, so innezuhalten, finde ich.
00:41:04: Und das ist gar nicht mehr so leicht.
00:41:05: Also, wenn ich so sehe ... Wie schnell das geht, man greift direkt zum Handy und man hat immer was zu tun.
00:41:10: Es gibt immer irgendwas, irgendjemand, der was von einem will und so.
00:41:13: Ich versuche immer, das habe ich irgendwie auch gelernt.
00:41:15: Ich weiß nicht, wie es auch dir geht in eurem engen getakteten so Trainingsplan und ihr habt ja auch so viele, so viele Dinge, die irgendwie so Pflichten, die ihr habt und so.
00:41:23: Ich versuche dann zum Beispiel einfach so ein, zwei, drei mal die Woche so fünfzehn Minuten zu haben, wo ich wirklich einfach sitze oder liege und einfach nichts mache.
00:41:32: Und das ist, wenn man so überlegt, das sind ja nur fünfzehn Minuten in der Woche, aber es ist so schwer.
00:41:36: Also wirklich ist es gar nicht so einfach.
00:41:39: Kann ich nicht mal.
00:41:39: Ich meine ich habe auch zwei Kinder.
00:41:41: Das ist ganz anderes.
00:41:43: nochmal.
00:41:45: Aber weißt du was ich krass finde, was mir dazu gerade einfällt?
00:41:47: Wenn wir nach dem Training in die Kabine reinkommen, weißt du was der erste Griff ist?
00:41:51: Der erste Griff ist der zum Handy und man schafft es nicht mal nach dem Training zumindest noch fünf, sechs, sieben, acht Minuten.
00:41:58: Einfach mal auch wenn es hitzig ist oder auch wenn es einfach nur blödsinn ist, den man erzählt.
00:42:01: Einfach ein bisschen über... Das zu labern, was man gerade erlebt hat.
00:42:05: Selbst dazu sind wir teilweise nicht mehr in der Lage.
00:42:08: Ich habe mal zwei oder dreimal hintereinander letzte Saison, habe ich mal ein Foto gemacht von unserer Kabine, nachdem wir vom Training reingekommen sind, um so ein bisschen dafür zu sensibilisieren, dass wir hier gerade alle fünfundzwanzig auf einen Haufen nicht miteinander reden, sondern einfach alle leise Mux-Mäuschen still vor dem Handy sitzen.
00:42:24: Das finde ich so traurig, ne?
00:42:26: Ja,
00:42:26: es ist verrückt.
00:42:27: Das ist einfach so ein bisschen so die Entwicklung.
00:42:28: Ich finde das auch so Busfahrten oder so.
00:42:30: Ich weiß nicht, ihr fliegt beim Heldesmeister, aber wenn wir so... sechs Stunden Busfahrt haben und du guckst dich so um und dann sind so viele am Handy.
00:42:36: Das ist einfach so sad eigentlich, weil ich glaube, du verbringst normalerweise... Könntest du so viel Zeit auch miteinander verbringen, so Quality-Time.
00:42:43: Und ich meine, ich erwische mich selber dauernd dabei.
00:42:45: Ich habe jetzt versucht, mehr auf Bücheraum zu switchen.
00:42:47: Handy aus, suche an die Hand.
00:42:49: Analoges Handy.
00:42:50: Ja, ich versuche wirklich, ich mache so, ich fühle mich schon wie so eine Antidigitalisierungs- irgendwie Militantin so, aber ich versuche voll von diesem Ganzen, von dieser ganzen Entwicklung wegzukommen, weil ich habe das Gefühl, es tut mir aber überhaupt nicht gut.
00:43:04: Ich meine, du musst es ja gar nicht so groß machen.
00:43:05: Du musst ja gar nicht auf die Busfahrten gehen.
00:43:06: Es langt wahrscheinlich einfach, wenn wir uns dran zurück erinnern, dass es mal eine Zeit gab, wo man ohne Handy aufs Toilette gegangen ist.
00:43:11: Ja, ja.
00:43:12: Selbst da kommt man ja nicht mal.
00:43:14: Ich komme so alt zu dich.
00:43:16: Wenn ich immer mich über dieses Thema aufrege, das ist so der krasse Kabel.
00:43:19: Es ist einfach faktisch so.
00:43:21: Deswegen, Urlaub war auch Camper und Handy außen einfach weg.
00:43:24: Boah, das ist gut.
00:43:25: Stimmt nicht.
00:43:27: Du hast TikToks gepostet.
00:43:28: Ja, privat eigentlich.
00:43:31: Privat-Handy ist okay, oder was?
00:43:33: Privat ist okay.
00:43:36: Das war eine Einmal-Geschichte, aber dass das so läuft, naja.
00:43:39: So, jetzt habe ich aber eben gesagt, wir müssen natürlich nicht nur über die Momente reden, wo du dich sicher fühlst oder wo du dich unsicher fühlst, sondern du hast es schon angesprochen, dieses in die Ferne schweifen.
00:43:49: Du hast es schon gemacht, wenn man sich deine Karriere anguckt, bist du eigentlich eine Heimscheißerin?
00:43:54: Warst eigentlich bis auf die Male, wo du in Kiel warst, was aber auch immer mit der Familie war, warst du immer in Frankfurt, Mainz oder Umgebung?
00:44:01: Du hast aber zwei Jahre deine Pause von dem gemacht, hast Work and Travel gemacht,
00:44:06: an
00:44:06: der Penn State University in den USA und hast da ein Fußballscholarship gemacht und studiert.
00:44:12: Genau, ich bin ans College gegangen, hab da Fußball gespielt, nebenbei ein bisschen studiert.
00:44:16: Dass ihr mich psychologisch Studentin nennt, ist er hat mich wirklich, aber ich hab glaube ich zwei Semester psychologisch studiert und das ist da sehr, sehr, sehr grundlagenorientiert, aber ich fand es super spannend.
00:44:27: Genau, und hatte einfach das Gefühl, ich war ja nicht auf einer Sportschule, sondern einfach auf einer normalen Schule.
00:44:32: Alle meine Freundinnen sind damals an ins Ausland und haben Gabriel gemacht.
00:44:36: Und ich fand es irgendwie so cool und ich hatte das Gefühl, ich muss hier auch mal raus.
00:44:39: So, ich hatte keinen Bock mehr, ich wollte was Neues erleben.
00:44:41: Und das war irgendwie so das Beste, was sich angeboten hat.
00:44:44: Da bin ich natürlich absolut in die Pumper gegangen, muss man auch sagen.
00:44:47: Penn State University, drei Stunden von New York, drei Stunden von Washington, drei Stunden von Pittsburgh, so irgendwo, irgendwo, so zwei Quadratkilometer, weil du meinst Work and Travel.
00:44:58: Da bin ich genau vom Ende vom Campus immer bis ans andere gelaufen.
00:45:01: Aber es war auf jeden Fall eine Reise so für mich als Person, irgendwie in anderer Kultur ganz auf sich alleine gestellt zu sein, Neuesprache zu sprechen.
00:45:10: Als ich rauskommen zu müssen, das hat mir sehr, sehr, sehr gut getan und irgendwie auch den Fußball auf eine andere Art zu erleben.
00:45:16: Die sind ja wirklich sportbegeistert, die Amerikaner.
00:45:18: Das hat mir richtig gut getan, weil ich hatte in Deutschland zweite Bundesliga gespielt.
00:45:22: Da waren dann achtmal ein Spielerinnen im Training, wenn sie Bock hatten.
00:45:25: Hast du damals die Entscheidung getroffen, unabhängig vom Fußball oder gerade weil du dir den Traum vom Fußballprofi noch erfüllen wolltest mit diesem Auslandsjahr?
00:45:35: Das
00:45:35: ist eine sehr, sehr gute Frage, weil damit hatte ich wirklich auch so gestruggelt zu der Zeit.
00:45:39: Es war nämlich nicht der normale Weg für eine Jugendnationalspielerin, die die Ambitionen hat, wirklich anders.
00:45:45: Spielerin zu werden.
00:45:46: Es war so ein bisschen auf jeden Fall ungewöhnlich und ich hatte das Glück, dass meine damalige U-Twanzig-National-Trainerin, die jetzt Co-Trainerin bei der Nationalmannschaft ist, Marin Meinert, hat zu mir gesagt, du kannst das machen.
00:45:57: Wir laden dich weiter in einzelne Lehrgänge, man muss halt auch kommen.
00:46:00: Das heißt, dass die Konsequenz war, dann, dass ich alle sechs Wochen, was irgendwie wirklich... Ich bin nicht stolz auf meinen CO²-Fußabdruck.
00:46:07: Ich bin alle sechs Wochen zwischen Amerika und Deutschland hin und her gependelt und bin auf die drei Tageslehrgänge gegangen.
00:46:13: Ich bin fast genauso lange geflogen, wie ich dann da war.
00:46:16: Ich war nicht aus den Augen aus dem Sinn.
00:46:18: Ich konnte mich weiter präsentieren.
00:46:20: Die Spiele werden sich nicht angeguckt in Amerika.
00:46:22: Es war ein Risiko.
00:46:24: Ich habe für mich die Entscheidung getroffen, als ich wusste, ich kann weiter in den Jugendnationalmeldstoff spielen.
00:46:28: Ich mache das, weil für mich menschlich, ich brauchte das, diesen neuen Input.
00:46:33: Natürlich war es ein kleines Fragezeichen auch so, wie wird es da, wie ist die Qualität?
00:46:36: Man hört viel so, es ist Kick und Rush und es ist nicht so technisch.
00:46:39: Deswegen bin ich hingeflogen, hat mir das angeguckt.
00:46:42: Die Mannschaft war im Jahr vorher amerikanischer Meister gewesen, D-One.
00:46:45: Das heißt, die hatten gute Spielerinnen, die haben auch viel mit Ball gespielt.
00:46:48: Die hatten viele junge Nationalspielerinnen aus den USA.
00:46:51: Und ich war da sehr, sehr gut aufgehoben.
00:46:52: Und was hat es dir menschlich gebracht?
00:46:54: Ich glaube, ich habe einfach gelernt, selbst mich auch um Sachen zu kümmern.
00:46:57: Ich meine, ich habe zu Hause gewohnt bei meinen Eltern.
00:47:00: Man ist halt einfach gewohnt, dass einem alles hinterhergetragen wird und einem wird Essen gekocht.
00:47:04: Und irgendwie, man hat halt immer so dieses Sicherheitsnetz.
00:47:07: Am Ende des Tages so kann man ein Papa anrufen.
00:47:09: Das konnte ich in Amerika theoretisch auch.
00:47:12: So im Nachhinein, glaube ich, bin ich einfach erwachsener geworden, als ich darüber gegangen bin und habe einfach gelernt, auch ganz unabhängig von, und ich bin sehr, sehr, sehr eng mit meinen Eltern.
00:47:21: Wir tauchten uns sehr, sehr viel aus und es ist auch sehr wertvoll für mich.
00:47:24: Aber ich glaube, es ist ganz wichtig, dass man auch lernt, unabhängig davon sein eigenes Leben zu führen und seine eigene Entscheidung zu treffen.
00:47:32: Und das hat mich auf jeden Fall dazu gezwungen.
00:47:33: Und darüber hinaus, glaube ich, öffnet so eine neue Kultur und ein anderer Umgang.
00:47:38: Der öffnet einfach ... Ganz, ganz viele Wege und Fragen im Kopf, die man sich vorher nicht stellt, weil man einfach nur einen Umfeld kennt.
00:47:46: Ich glaube, das fast egal, wo du hingehst.
00:47:47: Kultur ist dann ein sehr gutes Stichwort.
00:47:49: Ich habe das hier ein paar Mal auch schon im Podcast erzählt, wie Italien mich so kulturell und auch auf menschlicher, charakterlicher Ebene so geformt und gebildet hat.
00:47:57: Gibt es irgendwas, was Laura aktuell immer noch in sich trägt, was sie aber quasi in Amerika gelernt hat und vorher nicht da war?
00:48:05: Ich hatte das Gefühl, die Amerikaner, die stürzen sich einfach auf alles, was ich ihnen bietet.
00:48:09: Also, da gibt es keine Angst vor der falschen Frage oder keine Angst, irgendwie was falsch zu machen oder so.
00:48:15: Da gibt es wenig Zurückhaltung und wenn jemand von etwas begeistert ist, dann zeigt er es direkt.
00:48:20: Und wenn du in den Raum kommst und jemand kennt dich nicht, dann fragt der.
00:48:23: Und wenn alle Leute um dich herum so sind, dann... Bist du selbst auch mehr?
00:48:28: Und ich hab gemerkt, wenn ich ein bisschen mehr aus mir rausgehe und ein bisschen mutiger bin und mir weniger Kopf drum mache, wie das vielleicht ankommen könnte.
00:48:33: Ich glaube, es ist halt auch so ein bisschen so eine deutsche Sache.
00:48:35: So bloß niemanden aus seiner Komfortzone bringen, bloß niemanden irgendwie eine Frage stellen, die ihr vielleicht nicht beantworten will.
00:48:41: In Amerika, die leben halt einfach mehr so dieses ... Ich weiß nicht, die quatschen einfach jeden an und die gehen einfach raus und die machen einfach.
00:48:48: Und das fand ich irgendwie sehr, sehr angenehm.
00:48:52: Und ich glaube, das hat mich auch auf jeden Fall geprägt, weil ich höre jetzt auch oft Leute sagen zu mir, du wirkst gar nicht so deutsch.
00:48:58: Ich denke, die meinen das auch als Kompliment.
00:49:02: Obwohl ich Deutschland muss ich sagen.
00:49:03: Dass das so negativ behaftet ist, Deutsch zu sein.
00:49:04: Ja, krass.
00:49:05: Aber ich muss auch sagen, ich bin auch froh um Amerika, weil ich dadurch Deutschland halt einfach so unfassbar Schätzen gelernt habe.
00:49:11: So als Teenagerin dachte ich immer so, Boah, Deutschland, ey, das ist langweilig.
00:49:15: der Welt, alle anderen haben so viel Spaß und bei uns ist alles so langweilig und grau.
00:49:18: und da bin ich zurückgekommen, war so, oh mein Gott, Versicherung, Sozialstaat, Demokratie, Regeln, also im guten Sinne.
00:49:28: So, ich würde nie sagen, ich bin so eine klassische Deutsche, die so viele Regeln braucht, aber die haben halt auch echt Sinn und Zweck auf, was sie einfach sagen.
00:49:35: Wirklich, also es gibt so viele angenehme Dinge auch an Deutschland.
00:49:38: Ich
00:49:39: glaube, wenn man mal wirklich eine längere Zeit im Ausland gelebt hat.
00:49:42: dann merkt man doch auch schon sehr, sehr schnell, wie gut es uns in Deutschland geht.
00:49:46: Ich glaube, das ist schon eine Erkenntnis, die man sehr, sehr schnell hat, wenn man mal in einem anderen Land unterwegs ist.
00:49:52: Natürlich mitunter dann auch manchmal die schmerzhafte Erkenntnis, wie Deutsch man selber dann tatsächlich auch ist.
00:49:57: Aber trotzdem, du schwärmst ja schon trotzdem von dieser Mentalität noch, also dann nach Frankfurt nochmal rüber in die National Women's Soccer League.
00:50:06: Ich würde niemals nie sagen, aber ich muss sagen, das, was ich jetzt halt bei Frankfurt habe, so diese Unfassbare Substanz, so die Verbindung zum Verein, die Verbindung zu meiner Familie, die nicht weit weg wohnt, so diese echte Liebe zu dem, was ich tue, die auch sehr so tief verwurzelt ist.
00:50:23: Das muss ich halt schon sagen in Amerika und da trifft das Stereotrib auch einfach zu.
00:50:28: Er ist halt auch vieles oberflächlich, so viel Schein mehr, also wirklich sehr viel Schein auch oft und sehr viel so oberflächliche Begeisterung auch.
00:50:37: Und ich glaube halt, ich weiß einfach, dass zu schätzen, was ich hier habe und Amerika ist irgendwie spannend, weil da so viel passiert und dann ist man in LA und das ist alles glänzt und alles ist irgendwie cool.
00:50:48: Und ich muss aber auch sagen, so Rückblick nach den zwei Jahren habe ich schon auch zu Schätzen gelernt, dass halt hier auch vieles mehr Substanz vielleicht hat und vieles mehr verwurzelt ist.
00:50:59: Und ich weiß nicht, ob mich das jetzt gerade so reizt, nochmal auf die Art und Weise, mein Leben jetzt zu verändern.
00:51:06: Ich weiß nicht.
00:51:08: die politische Situation aktuell und die gesellschaftliche Situation finde ich jetzt auch nicht ganz so einfach.
00:51:13: Deswegen würde ich da, glaube ich, schon dreimal drüber nachdenken.
00:51:16: Man müsste wirklich einfach die komplette Situation drumherum einfach aktiv ausblenden.
00:51:20: Und das geht eigentlich gegen alles, was ich wichtig finde.
00:51:24: Und deswegen kann ich mir das aktuell auch nicht vorstellen.
00:51:28: Es zieht mich gerade überhaupt nicht irgendwo hin, weil ich vermisse nichts.
00:51:32: Ich habe mehr dieses Gefühl, Leute denken, man müsste ... Man müsste mal aus der Komfortzone raus und man müsste vielleicht was anderes machen.
00:51:38: Ich bin ganz ehrlich so, ich kann euch nicht sagen, ob ich mein fußbarerisches Maximum ausgeschöpft habe bis zum letzten Prozent, in dem ich hier geblieben bin.
00:51:46: Aber ich muss auch ganz ehrlich sagen, im Laufe der Zeit, ich hinterfrag auch meine eigenen Prioritäten und meine eigenen Wünsche und Träume, was mir wichtig ist.
00:51:53: Und ich möchte mit Frankfurt ein Titel holen, aber ich richte nicht meine gesamte Karriere nach Titeln aus.
00:51:58: Bin ich auch ganz ehrlich, weil sonst wäre ich woanders hingewechselt.
00:52:00: Mir sind andere Dinge wichtiger.
00:52:02: Ich spiele den besten Fußball, wenn ich mich wohlfühle.
00:52:04: Ich bleibe da, wo ich mich wohlfühle oder gehe dahin, wo ich glaube, dass es am besten passt.
00:52:08: So, es muss immer die Balance stimmen zwischen fussballerischer Weiterentwicklung, dem Leben drumherum, Herausforderungen.
00:52:14: Ich will ja auch nicht auf der Stelle treten.
00:52:16: Und das ist immer so ein, wiege ich jedes Jahr, wiege ich das neu ab und gucke, was für mich am besten passt.
00:52:22: Und es gibt auch nicht so viele Vereine, für die ich dann noch denke, dass irgendwie Sinn machen würde zu spielen in der aktuellen Situation.
00:52:29: Ich glaube, wenn ich hier einen Titel holen wollte, oder ich würde weinen, wahrscheinlich zwei Wochen lang, verblüfft, dass wir ja so lange, so harte gearbeitet für haben, als wenn ich dann keine Ahnung, den Vereinwechsel irgendwie nach England gehe, im ersten Jahr einen Titel hole, da relativ wenig zu beigetragen hätte.
00:52:43: Also ihr wisst, was ich meine, also vom, vom, vom Gedanken her.
00:52:46: Deswegen.
00:52:48: We will see.
00:52:49: Also, dicht zieht es nirgends wohin.
00:52:51: Robin, dicht zieht es langsam ins Fitnessstudio.
00:52:53: Ja.
00:52:54: Laura
00:52:54: und ich überlegen, welches Café wir uns gleich suchen.
00:52:58: Die Aussichten, die hören sich ein bisschen besser an.
00:53:00: Wobei, wenn wir uns an den Anfang des Gesprächs zurückgeinnern und ihr davon geredet habt, dass ihr da irgendwo im Nieren wo seid, dann weiß ich nicht, wie einfach diese Suche sein wird.
00:53:08: Aber ich wünsche euch natürlich sehr viel Erfolg dabei und dir, Laura, danke ich von ganzem Herzen für die Teilnahme an diesem Gespräch, für deine Offenheit, für die Tiefe in deinen Aussagen und wir hoffen, dass du dich... wie Nils schon im Gespräch gesagt hast, wo gefühlt hast, verstanden gefühlt hast und dass du ein bisschen was mitnimmst aus diesem Gespräch.
00:53:28: Vielen Dank.
00:53:28: Ja, danke auch.
00:53:29: Es hat sehr viel Spaß gemacht.
00:53:30: Danke, Laura.
00:53:31: Danke, Robin, hau rein.
00:53:35: Ja, und das war auch schon wieder die neue Folge mit Laura Freigang.
00:53:38: Bei Laura ist die Liga jetzt schon wieder in vollem Gange und wir bleiben im Sport, gehen aber auf ein etwas kleineres Feld.
00:53:44: Jan-Lennart Struff ist in der nächsten Folge zu Gast, einer der erfolgreichsten deutschen Tennis-Spieler, die wir zur Zeit haben.
00:53:50: Und doch einer, der nicht immer im Ramm Licht steht.
00:53:53: Robin ist dann in der nächsten Folge alleine am Start.
00:53:56: Ich bin im Urlaub und da höre ich mir genau wie ihr noch mal die alten Folgen an.
00:53:59: Zum Beispiel mit meinem Kindheitsidol Johannes Bekerne oder mit Moritz Wagner, unserem Basketballstar.
00:54:05: Macht ihr das auch mal.
00:54:06: Außerdem abonniert natürlich gerne den Podcast und lasst eine Bewertung da.
00:54:10: Vor allem aber genießt den Herbst.
00:54:12: Achtet auf euch!
00:54:18: Ton und Schnitt, Robin Richter.
00:54:22: Sounddesign, Robin Richter und Jonas Hafke.
00:54:26: Produktion und Management, Julian Brugmann.
00:54:29: Redaktion, Nils Stratmann und Robin Gosens.
00:54:33: Wie geht's, erscheint alle zwei Wochen.
00:54:35: Überall, wo es Podcasts gibt.
00:54:38: Bis zum nächsten Mal.
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